Mit der Guerilla Schock
Aufklärungskampagne "Vergiss AIDS nicht",
macht seit März 2008 der Saarbrückener Regenbogen e.V. auf
das Thema Aids aufmerksam. Der Regenbogen e.V. wurde 1999 in
Saarbrücken als gemeinnütziger und eigenständiger
Verein gegründet. Schwerpunkte der Vereinsarbeit liegen vor
allem in der Prävention von Neuinfektionen durch Aids, sowie in
der Unterstützung von HIV-infizierten Menschen. Kreiert wurde
die TV- und Print-Kampagne von der Hamburger Agentur
weigertpirouzwolf. Die Webseite zur Kampagne unter
www.vergissaidsicht.de wurde von der MSH AND MORE Werbeagentur
GmbH umgesetzt.
Die Guerilla Kampagne
arbeitet mit den 5 Prominenten Nova Meierhenrich (Schauspielerin),
Markus Kavka (MTV-Moderator), Katia Saalfrank („Super Nanny bei
RTL), Pascal Hens (Handball Weltmeister) und Herbert Knaup
(Schauspieler), die auf Plakaten und in einem Fernsehspot bekennen:
„Ich habe
Aids... nicht vergessen!“.
Das Bekenntnis der Prominenten dürfte für jeden Zuschauer
zunächst ein Schock und eine Überraschung sein. Der
Werbespot ist zur Unterstützung der Ernsthaftigkeit
des Themas Aids ganz in Schwarz-Weiß gehalten. Im Spot
erscheinen die Prominenten mit ernsten, bedrückten Gesichtern
und verkünden die schockierende Botschaft. Unterstützt wird
die Kampagne von einem weiteren Prominenten, dem Schauspieler Sky Du
Mont der als OFF-Sprecher agiert. Die eindrucksvollen
Werbespots in
voller Länge, können unter http://www.vergissaidsnicht.de/tv-spot.html
anschaut werden. Aber warum arbeitet die Kampagne gegen Aids mit
derartig drastischem Bekenntnis von Prominenten?
Der Hintergrund der aggressiven Guerilla Kampagne
ist der massive Rückgang des öffentlichen Interesses am
Thema Aids. Aids ist allerdings nach wie vor eines der größten,
gesellschaftlichen Probleme in Deutschland. Der Irrglaube, dass Aids
aufgrund hochwertiger Medikamente mittlerweile nicht mehr tödlich
ist, ist weit verbreitet. Seit 2001 sind die HIV-Neuinfektionen in
Deutschland um 81 Prozent gestiegen. Trotz der Kampagne, „Stark
bleiben“ im Jahre 2007, die zum Beispiel mit eher witzigen
Bildern wie Kondomen über Bananen oder Kartoffeln auf
Werbeplakaten den Schutz vor Aids ansprach, lebten Ende 2007 allein
in Deutschland 59.000 Menschen mit HIV Erkrankung. Das sind 5 Prozent
mehr die mit dem tödlichen Virus infiziert sind, als noch im
Jahr 2006.
Die Kampagne 2008 „Vergiss
Aids nicht“ schlägt nun einen anderen, sehr ernsthaften
Weg ein. Sie soll bewusst schockieren, abschrecken, die
Öffentlichkeit aufmerksam machen und zum Nachdenken
anregen.
Kritiker der Kampagne stört
es, dass Prominente als „Bekennende“ im Werbespot
auftauchen, jedoch keine Infizierten. Hinter der Kampagne steckt
allerdings die Idee, dass Menschen sich erst angesprochen
fühlen, wenn die Krankheit sie selbst oder jemanden betrifft den
sie gut kennen. Um gezielt die Aufmerksamkeit eines großen
Publikums zu wecken, wurden aus diesem Grund Prominente für den
Werbespot engagiert, um dem Thema Aids ein Gesicht zu
verleihen.
Ziele der Guerilla Kampagne sind die
Aufklärung und Prävention der Infektionskrankheit. Aids
wird in Deutschland unterschätzt und ignoriert. Mit Hilfe der
Guerilla Schock Kampagne soll das öffentliche Interesse
verstärkt und die Menschen sensibilisiert werden. Dabei richtet
sich die Kampagne an alle Bevölkerungsschichten, um den weit
verbreiteten Irrglauben, dass Aids nur Randgruppen betrifft, zu
widerlegen.
Aufmerksamkeit ist mit den schockierenden Spots
und den Werbeplakaten gesichert. Allein der Guerilla Werbespot sorgte
bereits nach dem ersten Tag der Ausstrahlung für Medienrummel.
Der Schock sitzt tief, auch wenn die bekennenden Prominenten nicht mit dem Aids
Virus infiziert sind, sondern der Guerilla Kampagne ihr Gesicht zu
Verfügung stellten. Genau diesen „Schock-Effekt“
möchten die Macher gezielt nutzen, um die Menschen für das
Thema Aids zu sensibilisieren.
Sandy Lietz