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# Thursday, July 02, 2009

Bitte nicht noch mehr nerven mit der blöden Finanzkrise

Alles fing damit an, dass mich Theo, ein befreundeter Juwelier bei einem Anstandsbesuch in seinem Ladengeschäft beiseite genommen hat und mich leichenblaß fragte, ob ich denn auch schon das Buch von dem Müller, dem Daxtypen gelesen hätte. Es ginge um die Finanzkrise und um eine gigantische weltweite Verschwörung, an deren Ende alles bisherige Geld durch eine neue weltweite Währung ersetzt werden würde, damit sich alle Staaten auf einen Schlag entschulden könnten ... und überhaupt unser Geld auf dem Konto wäre dann nichts mehr wert, die Altersvorsorge weg, und und und ...

"Theo ... is klar ... das kenn ich zwar nicht, aber hört sich nach einem Riesenbuch und einer Riesenstory an" ... und ich versprach, mir das Buch zu besorgen und mich auf der Stelle auf das Ende der heute bekannten Finanzwelt vorzubereiten, haltbare Nahrungsmittelvorräte anzulegen und ohne Axt und langes Messer das Haus nicht mehr zu verlassen.

Einige Wochen später schlenderte ich so durch eine Offline-Buchhandlung und sah im Bestseller-Ständer ein Buch "Cashkurs" von einem Mr-Dax. Per Handy bei Theo nachgefragt, ob das die neue Investorenbibel wäre und nach Bestätigung sofort gekauft ... und wieder ein paar Wochen liegengelassen.

Irgendwann habe ich mir das Buch dann doch mal geschnappt ... um es in einem Durchgang zu verschlingen! Ich Volldepp! Zwar ist selbst mir nicht entgangen, dass ab Anfang 2008 das ein oder andere in unserer Wirtschaft (oder vielleicht sogar weltweit) nicht ganz zum Besten stand, aber was sich da wirklich "im Hintergrund" abspielt(e), ist tatsächlich an mir fast vollständig vorbeigegangen.

Zwar habe auch ich seit Januar 2008 fallende Aktienkurse mit Besorgnis registriert (immerhin hatte ich einige Finanztitel im Depot, die ja Mitte 2007 so schön auf günstige Kaufkurse gefallen sind), auch hatte ich mich im Oktober 2008 darüber gefreut, dass die Bundesmerkel für meine Spareinlagen garantiert, aber neben diesen Dingen und noch ein bißchen Nachrichten-Schnickschnack zwischen Richtershow und Pefektem-Dinner rund um HRE, Lehmann Brothers, Fanny MacMae & Co. wäre mir nie in den Sinn gekommen, dass hier zur Zeit tatsächlich gerade eine der größten Veränderungen in unserem Wirtschafts- und Finanzsystem ansteht. Die Börsenkurse gingen ab März 2009 ja auch wieder granatenartig nach oben ... alles wird wieder gut! Die Amis haben das mit ihren Immobilien zum Glück noch mal hinbekommen.

Trotzdem auf den Geschmack gekommen, habe ich angefangen, immer mehr über die Ursache der Finanzkrise und die tatsächlichen Ereignisse zu recherchieren. Und was da so im Laufe der Tage "ans Tageslicht" kam, gefiel mir immer weniger. Je mehr ich gelesen habe, desto weniger hatte ich das Gefühl, dass tatsächlich alles wieder gut wird.

Auf einmal erschienen mir - mittelfristig betrachtet - "Geldanlage" in der üblichen Kapitallebensversicherung oder als Festgeld überhaupt keine gute Idee mehr, weil ich befürchtete, dass die nun bald fällige Inflation (aufgund der dramatisch gestiegenen Geldmenge) meine ganzen Ersparnisse weginflationieren würde. Und was mir am meisten Sorgen machte ist, dass man viele Informationen erst mühsam auf sogn. Nischenwebsites heraussuchen musste ... aber seit einigen Wochen mittlerweile in den gängigen Mainstream-Medien findet. Die Wirtschaftskrise findet nun nicht mehr im Hintergrund oder nur im Dax statt, sondern hat wohl die meisten von uns eingeholt. Im Bekanntenkreis gibt es schon etliche Kurzarbeiter und die ersten Entlassungen finden auch schon statt.

Mit einigen Leute aus dem Bekanntenkreis haben wir uns dann regelmäßig die immer neu entdeckten Nachrichten mit einer gewissen Tragweite per eMail inkl. eigenen Kommentaren zugeschickt, damit jeder über den aktuellen Verlauf "unserer Finanzkrise" auf dem Laufenden bleibt und bei seiner privaten Geldanlage und Krisenvorsorge entsprechend handeln kann. Wenn GM pleite geht und 100.000 Jobs verloren gehen oder wenn im deutschen Maschinenbau 50.000 Jobs verloren gehen oder wenn in der deutschen Autoindustrie bis Ende 2009 vermutlich jeder zwei Zulieferer pleite macht ... das alles hat sicherlich eine gewissen Tragweite. Nicht nur "für die paar Mann", die ihren Job verloren haben, sondern solche Ereignisse ziehen Kreise, die vermutlich für die ganze deutsche Wirtschaft in einem großen Strudel enden ...

Seit einiger Zeit haben wir diese kommentierten Meldungen der Wirtschaftspresse nun aus Gründen der Chronologie kurz kommentiert in dem Blog www.richtige-schritte.de zusammengefaßt. Wer sich zukünftig im Rahmen eines Krisenbarometers einen aktuellen Überblick über wichtige  weitere Entwicklungen der Finanzkrise und deren Auswirkungen auf unser wirtschaftliches Wohlbefinden verschaffen möchte, ist herzlich eingeladen, hier mitzulesen oder gerne auch mitzuschreiben ...

Chronologie, Infos und Tipps zur Finanzkrise ...

Meike, Simone, Michael, Ralph, Theo, Volker, Jürgen, Markus, Tom, Achim ...

Thursday, July 02, 2009 2:34:02 PM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [3]
# Monday, June 29, 2009

Open Source Guerillas

"Quelloffene" (Open Source) Software galt jahrelang als Software der Bastler und Computerfraks, die mit frei zugänglichem Quellcode im stillen Kämmerchen Projekte möglichst kostengünstig vorantrieben. Betrachtet man heute die Entwicklung, sind Open Source Tools keineswegs nur die Werkzeuge von einzelnen Freaks. Besonders kleine Unternehmen mit geringen Marketingbudgets haben Open Source für sich entdeckt.

Über geschicktes Marketing über eigene Open Source-Produkte und / oder entsprechende Zusatzangebote rund um renomierte Open Source-Lösungen versuchen sie, mit geringen Mitteln größmögliche Aufmerksamkeit zu erregen, um Kunden für sich zu gewinnen. Und das ist ziemlich genau das, was Guerilla Marketing ausmacht.

Open Source auf der Beliebtheitsskala weit oben

Bevor man etwas verkaufen kann steht die Frage: Was bewegt die Menschen gerade? Oder anders formuliert: Wo liegen die sensibelsten Punkte? In Zeiten in denen das Wort "Weltwirtschaftskrise" Hochkonjunktur hat, liegt die Antwort darauf auf der Hand. Effiziente und preiswerte Lösungen erregen Aufmerksamkeit und stehen auf der Beliebtheitsskala ganz weit oben. Kriselnde Wirtschaft und gekürzte Budgets begünstigen die gesteigerte Beliebtheit von Open Source Lösungen. Frei verfügbare Lösungen die sich frei weiterentwickeln lassen und noch dazu preiswert sind, stehen hoch im Kurs. Einen weiteren Punkt zur Beliebtheitsskala tragen für Open Source als Guerilla Marketing Instrument die Entwickler bei, die unter Verwendung einer Open Source Lösung für deren Akzeptanz sorgen und so die Beliebtheit bei anderen Entwicklern fördern – ganz ohne horrende Werbeetats, aber mit jeder Menge Aufmerksamkeit. Auch im Bereich des Forenmarketings oder der Bildung einer treuen Anhängerschaft mit willkommenen viralen Nebenwirkungen ist Open Source durchaus vertreten. MySQL nutzt z. B. seit Jahren eigene und fremde Entwickler für das Marketing. Egal ob die Entwickler das Produkt loben oder es kritisieren, das Produkt "lebt" - besonders von konstruktiver Kritik und wird durch sie weiterentwickelt und verbessert. Einfacher und effizienter kann Marketing nicht sein. Zudem sind "Guerilla Marketing Kämpfer" längst darüber im Bilde, dass Open Source Angebote im World Wide Web einen starken Verbündeten haben. Einen Verbündeten, bei dem Open Source jede Menge Aufmerksamkeit erhält:

Google Support für "Guerilla Marketing Kämpfer"

Dieser Verbündete ist kein Geringerer als Google. Für Unternehmen die Open Source Lösungen anbieten, eröffnen Google Suchanfragen ganz neue "Quellen". Bei Suchanfragen mit den Begriffen Open und oder Source - ganz gleich in welchem Zusammenhang - erscheinen bei Google reichlich Suchergebnisse, die Open Source Anbietern die gewünschte Publicity verschaffen. Weltweit profitieren Unternehmen vom nach wie vor andauernden Open Source "Hype". Zuvor eher unbekannte Unternehmen wie die Open Source Dokumenten-Management-Spezialisten KnowledgeTree aus San Francisco beliefern so mittlerweile bekannte Kunden wie Sony Entertainment, Société Générale Group and Mazda Motors Europe - nicht zuletzt dank zahlreicher Auflistungen und Verlinkungen in Open-Source-Directories und hervorragender Rankings mit werbewirksamen Verweisen auf Produkte und Dienstleistungen.

Open Source im Guerilla-Praxiseinsatz

Mit dem Begriff Open Source werden vor allem Produkte und Namen wie Typo3, Linux, Firefox, MySQL uvm. assoziiert, die sich nachhaltig am Markt etabliert haben und von denen heute große Unternehmen kostenpflichtigen Support beziehen – eben weil sie so gut und über Jahre von unzähligen Entwicklern ausgereift sind. Open Source bietet heutzutage aber für nahezu jede Marketingaufgabe eine passende Anwendung. So gesehen ist also auch das einsetzende Unternehmen unter den richtigen Voraussetzungen als Guerilla zu verstehen, der seine Ressourcen möglichst effektiv einsetzt. Von der kostenlosen Planung mit Freemind über Content-Management mit Joomla, Blogs mit WordPress, E-Mail Marketing mit Open EMM, Online-Foren mit phpBB bis hin zum Trouble-Ticket-Management mit OTRS finden sich zahlreiche Lösungen, die neben zahlreichen Ablegern, Speziallösungen und Parallelentwicklungen in Betracht gezogen werden sollten.

Die Auswahl ist riesig und ein prüfender Blick, welche Open Source Lösung sich für ein Unternehmen eignet, immer sinnvoll. "Quelloffen" bietet gleichermaßen Chancen für Unternehmen die Open Source Lösungen anbieten, als auch für Unternehmen die die quelloffene Software für Guerilla Marketing nutzen möchten. Kleiner Aufwand – große Wirkung: Willkommen im Kreis der Open Source Guerillas.

Sandy Schindler

Monday, June 29, 2009 3:18:29 PM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [0]
# Wednesday, April 22, 2009

Guerilla-Marketing beim T-Mobile Netzausfall

Am 21. April 2009 musste die T-Mobile einen Netzausfall melden. Für immerhin etwa drei Stunden (laut netzzeitung.de) war das Netz der Bonner Mobilfunker lahm gelegt. Da der Netzbetrieb das eigentliche Geschäftsmodell einer Mobilfunkgesellschaft darstellt, ist natürlich ein Netzausfall ein klassischer Supergau.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Vermutlich nutzen viele Kunden die Mutter aller Suchmaschinen Google, um sich zu informieren, was da los ist. Diesen Sachverhalt machte sich Mitbewerber Eplus und O2 zunutze und schalteten einfach mal ein paar Adwords auf das Keyword "Netzausfall", Motto: "Mit BASE keine Ausfälle". :-)

Schneller kann man eine Gurilla-Marketing-Kampagne vermutlich nicht umsetzen. Einerseits dürfte eine große Anzahl von T-Mobile-Kunden während der Störung Google bemüht haben (telefonieren konnten diese ja nicht, andererseits darf man bei derartigen Aktionen ja durchaus auch mal mit der ein oder anderen boshaften und gehässigen Berichterstattung über "den Marktführer" in der Presse rechnen.

(Gefunden: blog.telefon.de). http://blog.telefon.de/produkte-handys-mobilfunk/wer-den-schaden-hat-braucht-fuer-den-spott-nicht-zu-sorgen/

Klaus-Martin Meyer

Wednesday, April 22, 2009 9:19:43 AM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [1]
# Thursday, April 16, 2009

Böses (GE)TWITTER

„Guten Morgen Twitterland!“ So oder so ähnlich begrüßen sich täglich die Menschen der Twitter-Gemeinschaft, einem stetig wachsenden Social Network und Micro-Blogging-System.
Millionen von Menschen twittern derzeit mehr oder wenig spannende, aber intimste Details aus ihrem Privatleben aus. All die „Tweerhearts“, „Princes and Princesses of Twitter“ haben der Welt unendlich viele, unglaublich wichtige Dinge mitzuteilen. Wann sie morgens aufstehen, wer gemeinsam mit ihnen im Bett noch von der letzten Nacht wach wird, welche Kaffeesorte sie bevorzugen, welche Kleidung sie heute tragen, warum sie den Nachbar nicht mögen, wann sie ihren Rasen mähen, wie sich ihr Haustier gerade verselbständigt, was sie an ihrem Job hassen, warum es für den gestressten Hartz IV-Empfänger so schwer ist, sich zwischen den spannenden Kochshows und Richtershows in der viel zu kurzen Werbepause so gegen 14:00 Uhr seines Morgenmantels zu entledigen … Twitter - Datenschutz war gestern.

Schon seltsam in Anbetracht dessen, dass sich in Deutschland so viele Menschen Sorgen um Datenschutz und Vorratsdatenspeicherung machen und jede bekannt werdende Datenspeicherung zu weiteren Diskussionen über den „gläsernen Menschen“ führt. Ein Datenschutz-Skandal jagt den nächsten. Vollkommen legitim scheint es hingegen zu sein, ganz private Details aus dem täglichen Leben öffentlich zu posten und dabei scheinbar zu vergessen, dass die ganze Welt mitlesen kann. Wie sinnvoll kann es im Umgang mit den neuen Medien sein, jedem der es gerade gern lesen möchte, tiefe Einblicke in sein Leben zu gewähren?

Diese Frage beantwortet das Beispiel eines Arbeitnehmers aus den USA eindrucksvoll.
Der Twitter-Nutzer sprach ganz offen und frei von der Leber weg über seine Gedanken zu einem Jobangebot bei der Firma Cisco: „Cisco hat mir gerade einen Job angeboten! Jetzt muss ich den Nutzen eines dicken Gehaltsschecks dagegen abwägen, dass ich täglich nach San Jose pendeln und die Arbeit hassen werde".

Ganz zufällig, weil ja zufällig ganz öffentlich zu lesen, las ein Cisco-Mitarbeiter genau jene Nachricht und twitterte ohne Umwege zurück: "Wer immer der zuständige Mitarbeiter in der Personalabteilung ist. Bestimmt interessiert er sich sehr dafür, dass du die Arbeit hassen wirst. Wir hier bei Cisco kennen uns mit dem Internet aus". Ob Cisco den Mitarbeiter eingestellt hat, ist nicht bekannt. Der Twitter-Nutzer hat allerdings aus seinem all zu öffentlichen Geplauder gelernt und seinen Twitter-Feed nicht mehr für die breite Masse frei zugänglich.

Twitter -  Für und Wider beim Einsatz in Unternehmen

Dennoch haben sowohl Unternehmen, als auch Prominente Twitter für clevere Guerilla Marketingaktionen entdeckt. Unternehmen nutzen Twitter für überraschende Guerilla Kampagnen. Online Relations zu Kunden und Interessenten können mit niedrigem Aufwand ausgebaut und direkte Kontakte pflegen werden. Über Twitter stehen RSS Feeds und SMS Alerts zur Verfügung, die bequem als Newschannel oder Newsletter für Kunden verwendet werden können. Nicht nur extern, sondern auch unternehmensintern kann Twitter durchaus sinnvoll für eine gemäßigte Kommunikation z. B. bei einer offenen Frage an einen Kollegen eingesetzt werden.

Leider sieht die Realität oft anders aus und aus kurzen sinnvollen Fragen an den Kollegen wird schnell stundenlanges Getwittere. Das Schreiben und Lesen von Beiträgen auf Twitter kostet Zeit und verhindert ganz nebenbei die Konzentration auf die eigentliche Arbeit. Bekennende „Twitterjunkies“ bestätigen sogar ein gewisses Suchtverhalten, immer wieder neue Beiträge zu schreiben, auf die sie möglichst viel positives Feedback erhalten (müssen). Ganz zu schweigen von der immer weiter schwindenden Privatsphäre. Denn wer regelmäßig twittert, verrät nach und nach immer mehr Details über sein Privatleben. Wobei vermutlich Details aus dem Privatleben von geschätzen 98,7 % der Twitter-Nutzer nur ähnlich spannend sind wie der berüchtigte Sack Reis, der gerade in China umfällt.

Twitter - Promis im Twitterwahn

Aber selbst Promis sind dem Twitter-Hyp verfallen. Nutzen manche Prominente wie Amerikas neuer Präsident Barack Obama Twitter als gezielte Wahlkampfplattform, verfallen andere Promis wie der Schauspieler Ashton Kutcher nahezu in einen Twitterwahn. Kutcher postete jüngst neben den Problemen, die er gerade mit seinem Nachbarn hat, sogar ein Foto vom Hintern seiner berühmten Frau Demi Moore und begeistert somit unzählige Fans. Was diese privaten Enthüllungen allerdings wirklich für sein Privatleben bedeuten, ist nicht bekannt. Der Nachbar dürfte über die öffentliche Bekanntgabe jedenfalls nicht gerade begeistert gewesen sein. Dummerweise ist Twitter leider kein rechtsfreier Raum ... mal schauen, wann da die ersten fetten Schadenersatzklagen kommen ...

Gut vorstellen könnte man sich aber, dass es einige Promis aus dem Promibodensatz (sogn. C-Promis oder gar D-Promis) schaffen, sich aufgrund pikanter privater Details auf den Promi-Level B- hochzutwittern.

Twitter - Google neuester Coup?

Twitter scheint auch in Bezug auf ausgefallene Marketingstrategien und Datensammlung für Google äußerst interessant zu sein. Seit Wochen brodelt die Gerüchteküche über eine mögliche Übernahme von Twitter durch Google. Erst im März dieses Jahres hatte Google-CEO Eric Schmidt zur Morgan Stanley zur Technologiekonferenz zwar verlauten lassen, Twitter sei die „E-Mail des armen Mannes", räumte aber anschließend ein: "Twitters Erfolg ist großartig. Ich glaube, er zeigt, dass es viele, viele Wege gibt, um andere zu erreichen, zu kommunizieren. Vor allem, wenn man bereit ist, dies öffentlich zu tun." Aus technischer Sicht betrachtet, findet Schmidt jedoch klare Worte: "Als Computer-Wissenschaftler sehe ich diese Dienste als E-Mail des armen Mannes an".

Twitter ist aber dennoch nicht uninteressant für Google, würde Google doch seinen gigantischen Datenbestand deutlich ausbauen und mit Daten über das Echtzeitverhalten von Usern erheblich ergänzen können. Zumindest spricht dafür auch die Summe die in der Gerüchteküche für die Übernahme im Gespräch ist, stolze 250 Mio Dollar. Twitter hat die Gerüchte einer Übernahme bereits in der FAZ durch den Mitbegründer Biz Stone dementieren lassen: „Unser Ziel ist ein starkes, unabhängiges Unternehmen um das Twitter-Konzept herum zu bauen”. Google hat offiziell die Übernahmeabsichten ebenfalls dementiert.

Bleibt abzuwarten, ob sich die Gerüchte bewahrheiten. Nicht ganz unerheblich dürfte auch das Übernahmeangebot von Google sein, was derzeit noch deutlich unter dem gewünschten Twitter Preis liegen dürfte. Insider Informationen zu Folge, soll Twitter ein Angebot von Facebook in Höhe von 500 Millionen Dollar bereits ausgeschlagen haben.

Sandy Schindler - Michael Gandke

Thursday, April 16, 2009 10:18:47 AM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [5]
# Tuesday, March 24, 2009

Vergiss Aids nicht – Runde 2 der Guerilla Kampagne gegen das Vergessen

Ab 23.03.2009 ist es soweit, der neue Guerilla-Schock-Werbespot "Vergiss Aids nicht" präsentiert sich in düsterer Stimmung. Ein Mann sitzt auf einem Stuhl, man sieht seinen Rücken, seine Schuhe, er blättert in einem Buch, der Zuschauer sieht nur Ausschnitte vom ihm, er bekennt „Ich habe Aids“ … in der Großaufnahme erkennt der Zuschauer plötzlich den prominenten Bekenner.

Es handelt sich um den Coiffeur Udo Walz der hinzufügt: „… nicht vergessen… und Du?“ Ein Sprecher informiert anschließend darüber, dass sich in Deutschland jeden Tag 8 Menschen neu mit HIV infizieren und fordert dazu auf „Schütz Dich, vergiss Aids nicht“. Udo Walz ist einer der 6 Prominenten, die sich in der zweiten Kampagnenserie „Vergiss Aids nicht“ gegen das Vergessen einsetzen. Weitere prominente Bekenner sind 2009: Lucy Diakowska von den No Angels, Explosiv-Moderatorin Janine Steeger, sowie die Schauspieler Manuel Cortez und Roman Knižka. Einige tragen in den beklemmenden TV-Spots Kapuzen und sind ebenfalls erst nach ihrem Bekenntnis „Ich habe Aids“ als Prominente zu erkennen.

Schirmherrin der aktuellen Staffel ist Désirée Nick. Ihr persönliches Statement ist deutlich und unterstreicht den Guerilla Charakter der Kampagne: "Ich habe die Schirmherrschaft übernommen, weil in unserer Gesellschaft alles verdrängt wird was mit Sterben zu tun hat und Aids nach wie vor eine tödliche Krankheit ist die an das Sterben erinnert! Man kann sich aber auch davor schützen und daher lohnt es sich dafür einzutreten!" Wie bereits in der ersten Kampagnenreihe 2008 fragt sich der Zuschauer zunächst, warum bekennen die Prominenten „Ich habe Aids…“? Kritische Stimmen empfinden die Bekenntnisse sogar als makaber und deplatziert. Die Idee hinter der Guerilla Kampagne ist jedoch keinesfalls deplatziert. Die Botschaft wird klar kommuniziert: Gegen das Vergessen, für mehr Bewusstsein im Umgang mit Aids und Solidarität mit Betroffenen.

Mit prominenter Unterstützung kämpft der Regenbogen e.V. seit Jahren gegen das Vergessen von AIDS und klärt darüber auf, dass Aids nicht nur eine Gefahr für Randgruppen darstellt, auch im Familien- oder Freundeskreis kann es jeden treffen. Allein in Deutschland lebten Ende 2008 lebten ca. 63500 mit HIV / Aids. Ziel der Kampagne ist es, alle Gesellschaftsgruppen auf das Thema AIDS aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren. Durch die mediale Reizüberflutung wird jedoch das Thema Aids immer mehr aus den Medien verdrängt. Aus diesem Grund setzt die Kampagne auf Guerilla … und präsentiert sich überraschend, provokativ und medienwirksam … gegen das Vergessen.

Sandy Schindler

Tuesday, March 24, 2009 2:59:52 PM (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [0]
# Monday, March 09, 2009

Das virale Marketing-Rezept einer “widerspenstigen” Agentur

Der Rezeptüberblick: Man nehme...

  • ein Unternehmen mit einem witzigen Werbspot
  • erstelle ein Parodievideo auf den Werbespot
  • stelle sowohl Originalspot als auch Parodievideo und dessen Making Of auf YouTube zur Verfügung
  • schreibe einen Wettbewerb aus, der User auffordert selbst ein Video als Parodie auf den Werbespot aufzunehmen
  • biete als Preis eine Weltreise oder £ 10.000,--
  • schreibe so viel wie möglich Unternehmen, Blogger, Webmaster, die zur viralen Verbreitung beitragen könnten per Mail an und unterbreite ihnen das Angebot, sich an der Vermarktung des Videos zu beteiligen und dafür Geld in Form einer Provision zu kassieren
  • warte ab, wie schnell die virale Verbreitung in Deutschland möglich ist, wie viele Nutzer tatsächlich bis auf YouTube gelangen und sogar ein selbstgedrehtes Video hochladen
  • rufe anschließend zu einem Voting zur Wahl des besten selbstgedrehten Videos auf

...und fertig ist die virale Marketingidee(?)

Die Zutaten...

Grundlage des Rezeptes bildet eine findige Viral Marketing Agentur namens „Unruly Media“ mit Sitz in London, die ganz offensiv zu Ihren Zukunftsplänen steht, virales Marketing im deutschsprachigen Raum zu etablieren. Als variable Zutat bieten sich verschiedene Unternehmen an. Für dieses Rezept ist z. B. die Kreditkarte Barclaycard eine geeignete Komponente, welche mit einem witzigen Werbevideo dem Ganzen eine individuelle Note verleiht. In der Vergangenheit wurde dieses Gericht von Unruly Media z. B. auch schon mit der Komponente LG Secret Handy angeboten.

Der Serviervorschlag...

Serviert wird das Gericht am besten im Social Network YouTube oder vergleichbaren Plattformen. Über ein Gewinnspiel werden User gezielt zur Teilnahme aufgefordert. Das Rezept kommt am besten zur Geltung, wenn vorab zahlreiche Unternehmen per Mail angeschrieben werden, die bei der Verbreitung des viralen Marketing aktiv mitarbeiten, indem sie auf ihren eigenen Seiten einen Videoplayer zum Barclaycard Contest anbieten und so Besucher auf den YouTube Wettbewerb aufmerksam machen. Einen konkreten Serviervorschlag für das Anschreiben per Mail finden Interessenten hier:

Hallo...,
Ich hoffe du hast nichts dagegen, wenn ich mich dir erstmal vorstelle. Ich komme von Unruly Media, einem Unternehmen in London, dass virales „seeding“ (Verbreitung) von Videos im Internet betreibt. Gegenwärtig leiten wir eine Kampagne für Barclaycard, die wirklich gut auf deiner Seite ... ankommen würde. Es handelt sich dabei um einen nachgestellten Werbespot, der für den Barclaycard’s Wettbewerb wirbt, um zu sehen wer die beste Veralberung ihres Wasserrutschen Werbespots kreieren kann. Immer auf der Suche nach neuen Werbe- und Marketingideen - könnte das genau dein Fall sein. Hier kannst du dir die Veralberung des Videos anschauen und mehr über den Wasserrutschen Wettbewerb erfahren:

http://www.youtube.com/barclaycardcreate

Wir suchen auch nach interessanten Seiten und Blogs um den Clip auf kommerzieller Basis zu verbreiten. Wenn du Interesse hast, dann können wir dir einen Videoplayer zum Einbauen geben und du erhältst Geld für jede Ansicht des Videos aus Deutschland. Du kannst hier das Video abholen und die Geschäftsbedingungen für die Teilnahme an der Kampagne einsehen:...

Das Verfallsdatum

Es wird ein schneller Verzehr empfohlen. Zum genauen Verfallsdatum des Gerichtes gibt es widersprüchliche Angaben. Das Parodievideo enthält am Ende als Angabe den Einsendeschluss: 8. März 2009, Votingstart 9 März 2009 – der nebenstehende Text beinhaltet den Einsendeschluss: 22 März 2009, Votingstart 23. März 2009. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und annimmt, es könnte sich um eine inoffizielle Verlängerung des Haltbarkeitsdatums handeln, weil das Gericht vielleicht nicht genügend reißenden Absatz gefunden hat.

Hinweise für Allergiker

Menschen die auf recht niedrige Provisionen und zahlungsempfänger-unfreundliche (wenngleich leider branchenübliche) AGBs, in denen ein Großteil der Verantwortung auf den Schultern der am viralen Marketing von Unruly Media beteiligten Unternehmen lastet, allergisch reagieren, sollten auf den Genuss dieses Gerichtes verzichten.

Sandy Schindler

Monday, March 09, 2009 1:00:54 PM (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [0]
# Tuesday, February 24, 2009

Guerilla in 3D?

Virale Profikampagnen sind ja an sich nichts Neues und wöchentlich buhlen neue Eventsites um Aufmerksamkeit, Klicks, Links und Kommentare. Warum also überhaupt drüber schreiben? Weil man sich bei BMW - ungeachtet der nicht wegzudiskutierenden technischen Hürden - für eine etwas andere Ergänzung im Web zum klassischen Marketing entschieden hat.

BMW startet mit einer Marketing Kampagne für den Launch des MINI Cabrio unter dem weltweiten Slogan „Always open“. Klassische Anzeigen in Printmedien und 11 Sekunden langen TV-Spots werden durch eine Guerilla Kampagne ergänzt, die eine "interaktive Printanzeige" und ein virtuelles 3D-Modell miteinander verbindet. Zur Umsetzung der Anzeigen und TV-Spots wurde die Berliner Agentur Plantage herangezogen, die Webspecial erfolgte durch die Hamburger Interone. Idee, Konzept und Umsetzung der Augmented Reality Aktion wurde von Buzzin Monkey aus München initiiert.

Die Idee: Augmented Reality – „erweiterte Realität“

Die Augmented Reality Technologie überlagert Grafiken, Audio – und andere Elemente in Echtzeit Umgebungen und verwirklicht eine ansatzweise reale Darstellung von dreidimensionalen Objekten. Über die Augmented Reality Technologie versucht MINI, die reale Welt digital so originalgetreu wie möglich nachzustellen und so dem Besucher der MINI Seite die Realitätswahrnehmung aus sämtlichen Perspektiven online zu ermöglichen. Das Prinzip das dahinter steht und den User zur 3D Ansicht des MINIs führt, ist allerdings gewöhnungsbedürftig.

Das Prinzip: digitale Printanzeige – Webcam – MINI anschauen

Dem Besucher wird online eine Printanzeige (Achtung: Ein PDF lauert hinter diesem Link) mit Piktogrammen zur Verfügung gestellt. Die Piktogramme zeigen ihm, wie er das 3D Modell des MINIs betrachten kann. Über die MINI Webcam Site kann er anschließend die Anzeige vor seine Webcam halten und mit Hilfe von Augmented Reality Technologie erscheint das MINI Cabrio online. Der User kann das Cabrio anschließend selbständig drehen und sich die Details in Echtzeit – live und 3D - ansehen. Über ein Symbol kann er die Augmented Reality Welt an Freude und Bekannte weiterempfehlen und erhöht somit ganz nebenbei die Reichweite der Kampagne.

3D im Web: Ein unlösbares Problem?

Knackpunkt der Kampagne ist neben der ungewöhnlich hohen erforderlichen Aktivität durch den "Benutzer" vor allem die Tatsache, dass 3D und Web einfach nicht so recht zusammenpassen wollen. "Web 3D" ist nach wie vor auf sehr viele "Wenns und Abers" angewiesen, um hinreichend zu funktionieren. Dabei sind die Anforderungen der MINI-Kampagne noch recht moderat; sperren aber dennoch mehr als nur vereinzelt Besucher komplett aus oder erfordern zumindest den Wechsel des Browsers und die Installation eines 3D-Plugins. Die Funktion eröffnet sich zudem nur Besuchern mit IE 6 & 7 unter Windows. Die Kampagne mit "Systemanforderungen" darf man also von vornherein schon mal an eine eher exklusive Zielgruppe gerichtet betrachten: Neben einem Windows-System, Internet-Explorer, aktuelle, Videotreiber, 2 GHz CPU, 512 MB RAM, Grafikkarte mit mindestens 256 MB Speicher wird auch eine USB-Webcam mit mindestens 640x480 Pixel vorausgesetzt, um in den 3D Genuss des MINIs zu kommen.

Alle Besucher, die nicht über die entsprechende Technik verfügen oder denen der Aufwand schlichtweg zu groß ist, haben wenigstens die Möglichkeit das Making Of zur Guerilla Kampagne zu sehen - das erinnert aber eher ein wenig an den Vorschlag, ein Kochbuch zu lesen, wenn man Hunger hat...

Das Ziel "Aufmerksamkeit in Verbindung mit großer Reichweite" kann also durchaus in Frage gestellt werden, obschon man mit Guerilla sicher nicht auf das falsche Pferd gesetzt hat. MINI setzt bei der Einführung des MINI Cabrios auf unkonventionelle Marketingideen und überraschende Aktionen. Und wenn es für einzelne Besucher im Web vielleicht trotz der erlangten Aufmerksamkeit (magels erfüllter Systemvoraussetzungen) nichts mit "Guerilla im Web" wird, bleibt ja noch die potentielle Überraschung beim Händler. Denn zusätzlich zu der Guerilla Kampagne aus interaktivem Print und 3D-Modell wird das Buch "Viva la Revolution" mit 60 Guerilla Ideen den Marketingmitarbeitern und MINI Händlern flächendeckend zur Verfügung gestellt. Je nach Händler erwarten den Besucher dann also vielleicht individuelle und überraschende Guerilla Aktionen direkt vor Ort.

Sandy Schindler

Tuesday, February 24, 2009 4:31:56 PM (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [0]
# Tuesday, January 20, 2009

Guerilla Marketing der israelischen Armee

Israels Luftwaffe hat in den letzten Tagen im Zuge der Operation „Gegossenes Blei“ bei Luftangriffen hunderte Hamas-Mitglieder getötet und deren Waffendepots zerstört. Mit Beginn einer Bodenoffensive wurde die Drohung wahr gemacht, auch mit Bodentruppen in den Gaza-Streifen einzumarschiert, um die Hamas endlich in die Knie zu zwingen. Die radikalislamischen Hamas hingegen scheinen kaum geschwächt und setzen bei ihrem erbitterten Widerstand auf militärische Guerilla Taktiken. Kleine, selbstständig operierende Kampfeinheiten mit gut ausgebildete Kämpfer, die zu allem bereit, aus Hinterhalten agieren, Schützengräben und Häuser besetzen, sich unter die Zivilbevölkerung mischen und unerwartet zuschlagen.

Die israelische Armee setzt ebenfalls auf Guerilla, wenn auch nicht in Form von militärischen Angriffen. Für ein sauberes Image in der Weltöffentlichkeit und der Suggestion eines notwendigen und gerechten Krieges, wurde eigens eine PR-Abteilung mit der Umsetzung von Guerilla Marketing beauftragt. Gesteuert werden die Propagandamaßnahmen über das israelische Außenministerium. Ziel ist die systematische Unterwanderung und Manipulation aller möglichen Informationskanäle. Objektive Berichterstattungen durch freie Journalisten sind unerwünscht.

Längst gelten nicht nur die israelisch gefilterten Informationen für die weltweiten Journalisten der Fernseh- und Rundfunkkanäle als geeignetes Propagandamittel. Nach eigenen Angaben der israelischen Armee soll die Intension hinter dem Krieg erläutert werden, die "Jerusalem Post" zitiert die Sprecherin der israelischen Armee Avital Leibovich, mit folgenden Worten: "Die Blogosphäre und die neuen Medien sind ein neues Kriegsgebiet. Wir müssen dort relevant sein." Als modernes Medium erweisen das Internet, insbesondere das Videoportale YouTube, seine Dienste bei der Umsetzung eines einschlägigen Guerilla Marketing.

"Verlagerung" des Konflikts in das Web 2.0

Das Videoportal gilt gemeinhin als Plattform für Ausschnitte aus Film und Fernsehen, Musikvideos, sowie kleine selbstgedrehte Filme. YouTube User können sich außerdem über Blogs austauschen und ihre Meinungen zum entsprechenden Filmmaterial äußern.

Die israelische Armee hat eigens für Guerilla Marketing einen Kanal bei YouTube eingerichtet, die alle interessierten Onlinebesucher direkt am Geschehen im Gaza-Streifen teilhaben lässt. Mit YouTube selbst gab es zu Beginn Probleme, weil einige veröffentlichte Videos nicht den Gewaltrichtlinien des Videoportals entsprachen. Die Differenzen waren offensichtlich nur von kurzer Dauer, denn aktuell sind vier Dutzend Videos online frei verfügbar. Auf den Videos zu sehen sind Luftangriffe, Panzer, Raketen aber auch die perfekte Darstellung der humanitären Hilfe, die Israel in den Gaza-Streifen entsendet. Die Videos werden zum Großteil positiv bewertet und scheinen beim Publikum wie gewünscht anzukommen. Fragt sich nur, ob hier nicht ebenso gut gezielte Manipulation des Social Media - Images am Werk ist, um den Videos den notwenigen Anschub zu verleihen. Schützenhilfe kommt z. B. von der Anti-Defamation League (ADL), einer US-amerikanischen Organisation, die gegen die Diskriminierung von Juden eintritt und bei YouTube nun dafür plädiert, "pro-palästinensisches Videomaterial" zu zensieren.

Der YouTube Kanal ist aber nur ein Beispiel für die umfassenden Guerilla Marketing Maßnahmen. Befürworter der israelischen Kriegshandlungen unterstützen das israelische Außenministerium bei der Unterwanderung und Manipulation von Blogs und Online-Umfragen. So steht z. B. GIYUS, ein Tool welches Nutzer auf Online-Umfragen im Netz aufmerksam machen soll, unter schweren Anschuldigungen, Umfragen zugunsten Israels zu manipulieren. Gegner dieser Onlinebewegungen haben bereits Listen im Internet veröffentlicht, die die Israel-Sympathisanten als Spammer entlarven, die in diversen Blogs Kommentare abgegeben haben, welche an vielen anderen Stellen im Netz identisch wiederzufinden sind.

Sandy Schindler


Tuesday, January 20, 2009 11:12:57 AM (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [0]
# Friday, November 21, 2008

Werbung bei YouTube: Bezahlte Platzierung von Videos

Anschubhilfe für "als viral gedachte Videos", die nicht so funktionieren, wie gewünscht...

Das war ja zu erwarten: Bei YouTube kann - zunächst nur für US-Benutzer, aber sicher bald auch bei uns - auf extrem vereinfachte AdWords-Manier für eigene Videoinhalte geworben werden. Speziell angesichts der steigenden Zahl von Videos, die zwar als potentieller Kundenmagnet produziert, aber nicht über genug virale Energie zur Verbreitung aus eigener Kraft haben, sollte diese Option sehr interessant sein und rege genutzt werden.

Wer bisher Videos mit eher trockenen Themen aus dem eigenen Fachbereich produziert hat, um über geschickte Gestaltung der Metadaten wenigstens den einen oder anderen Treffer - und damit potentiellen Interessenten - im LongTail zu erzeugen, musste bisher mit eher bescheidenen Erfolgen trotz aller Video-SEO zufrieden sein. Nun kann aber auch zu eher allgemeinen Keywords, bei denen inzwischen auch in Video-Trefferlisten schon zu viele Einträge zu finden sind, als dass man sich des Klicks sicher sein könnte, über "YouTube Sponsored Videos" eine prominente Platzierung erkauft werden. Das gilt zwar "nur" für YouTube und nicht alle Videoportale, aber schließlich findet dort auch ein großer Anteil der Suchanfragen statt. Sich bei allen anderen Portalen auf SEO zu verlassen und zumindest ein kleines Budget für die Platzierung bei YouTube auszugeben, erscheint angesichts der Kosten für selbst ein vergleichweise laienhaft produziertes Video durchaus angemessen.

Das System dazu ist ähnlich wie Werbung bei AdWords gestaltet - nur (noch) deutlich einfacher. Es muss zur Bewerbung eines Videos lediglich ein Anzeigentext und eine Keyword / Keyphrasenliste definiert werden, die bei Anfragen zur Schaltung der Anzeige führen sollen.

YouTube-Werbung

Dazu wird ein maximaler Klickpreis definiert, den man zu zahlen bereit ist; ebenso existiert ein Tagesbudget, um die Ausgaben klar zu deckeln. Später wird noch ein Targeting nach Region und Sprache hinzukommen… Fertig ist die bezahlte Platzierung bei YouTube - ein YouTube-Nutzerkonto und Verfügbarkeit des Programms in Deutschland vorausgesetzt.

YouTube-Werbung: Budget

Gerade kurz nach der Einführung wird es sicher eine turbulente Phase geben, in der sich zeigen wird, ob auch hier kurz oder lang ähnliche Qualitätsfaktoren wie im AdWords-System für die Regulierung von Preis und Position sorgen müssen, wenn das Werbevolumen steigt. Nicht relevante Anzeigen für das falsche Video in Bezug auf ein gewähltes Keyword zu schalten, nur weil dieser Begriff populär bei YouTube ist, ist aber ganz sicher unabhängig von Wettbewerbsdichte und den sich herauskristallisierenden Klickpreisen unsinnig. Für Videowerbung heißt es daher in vielen Branchen erst einmal: Produzieren! Denn für einen Großteil der in der Suche und im Content-Netzwerk bei Google (sprich: in AdWords) populären Begriffe existiert heute kaum passendes Videomaterial. Und wenn dieses auch noch geeignet sein soll, potentielle Kunden zu generieren, kann auch sicher noch lange nicht jede derzeit existierende Aneinanderreihung bewegter Bilder sinnvoll eingesetzt werden. Belohnt wird man von Google / YouTube aber ganz sicher in Zukunft durch weitaus bessere Zielgenauigkeit für Werbung. Denn im Gegensatz zu den in der Masse noch eher unbekannten Benutzern der Suchmaschine weiß man bei YouTube über mehr als ein Drittel der Benutzer bestens bescheid (derzeit über 37% registrierte Benutzer). Und schon ist ein Targeting nach demografischen Daten – bzw. wirklich allem, was über ein Nutzerprofil (in Zukunft) herauszufinden ist – nur noch ein paar Klicks entfernt. Klingt zu gut um wahr zu sein? Warten wir ab, wie sich das Programm entwickelt.

So oder so gibt es bis zur Einführung des Programms in Europa ja noch einiges zu tun. Machen Wenn Sie bereits potentielle Videos für eine solche Bewerbung haben, sollten Sie das Material schon jetzt möglichst werbewirksam „pimpen“. Und wer den ersten Schritt noch vor sich hat und sich für diese kommende Gelegenheit zur Platzierung von Werbung interessiert, für den heißt es nun "Kamera, Licht, Ton.... und: Action!"

MB

Friday, November 21, 2008 4:34:49 PM (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [3]
# Thursday, October 23, 2008

Marktstudie über virales Video-Marketing

Eine US-Studie der Feed Company, die ehrlicherweise auf dem Deckblatt bereits im Untertitel zugibt, eher die Sicht von Agenturen und deren Top-Kunden wiederzugeben, stellt wenig überraschende Ergebnisse zusammen, die übersichtlich und durch Zahlen gestützt im Kern aussagen, dass virale Videos auf dem Vormarsch sind und längst im Waffenarsenal vieler Agenturen neben den Klassikern liegen. Budgets muss man sich trotz der Tatsache, dass der Erfolg eher im Brandingbereich liegt und weniger in einfach messbaren Conversions mündet, wohl auch in Zukunft nicht erbetteln. Auch der beidseitige Wunsch nach mehr Messbarkeit und Transparenz schmälert die (hier gewonnene) rosige Perspektive nicht; man ist amerikanisch überzeugt und größtenteils glücklich.

"Fakten", die wohl auch für die Agenturen und Kunden gültig sind, die außerhalb des US-Markts bereits mit viralen Videokampagnen Werbung für (meistens) neue Angebote machen. Es wird aber kaum einfacher, aus der Masse der inzwischen umgesetzten Ideen hervorzustechen. Der Trost: Zum Glück bleibt ein guter Witz gut und kann nach einiger Zeit auch ein zweites Mal erzählt werden. Auch neue Ideen wird es in Zukunft geben; begünstigt durch die ständige Vorwärtsbewegung, die Internet und erforderliche Technik machen. Außerdem wird es vielleicht im Zukunft lohnender, den Hype um eine bestehende gute professionelle Kampagne mitnehmen und gutes "Parallelmaterial" als Persiflage anbieten - damit hat sich bereits der eine oder andere echtes Guerilla-Potential aus teuren Fremdkampagnen bei Youtube & Co. "erambushed" ;)


Wer den Schwung der Studienergebnisse mitnehmen will, um vielleicht selbst auf den professionell-produziert-viralen Zug aufzuspringen, findet die Zusammenfassung der Ergebnisse hier.

MB

Thursday, October 23, 2008 10:04:17 AM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [2]
# Friday, October 10, 2008

Nintendo: Ungewöhnliche Youtube-Werbung für "Wario Land"

Viele mehr oder weniger ausgefallene Werbeideen im Web buhlen tagtäglich um die Aufmerksamkeit der Besucher. Längst nicht alles wird so aufgenommen, wie es sich die Agentur oder der Selbstmach-Guerilla vorgestellt hat. Andere Aktionen aber heben sich vom Rest ab und finden einen Weg, der in dieser Form noch nicht beschritten wurde, so dass die gewünschte Aufmerksamkeit erreicht wird.

Ob Nintendo diese Aufmerksamkeit nun angesichts des Hypes um die Wii überhaupt noch nötig hat, sei dahingestellt. Und die Idee selbst ist auch nicht ganz neu, zumindest aber der Platz, an dem sie umgesetzt wurde. Auf jeden Fall ist die aktuelle Werbung für die Neuauflage des dritten Teils der altehrwürdigen "Super Mario Land" - Serie anders als andere Videos, die man überlicherweise aus Werbezwecken bei Youtube einstellt. Das liegt vor allem daran, dass das Video selbst zwar nichts zeigt außer ein paar Ausschnitten aus dem Spiel, sondern das die komplette "Youtube-Seite" sich als Werbefläche erweist. Denn "besonders" wird diese Werbung erst, wenn sich die zunächst unauffällig und Youtube-üblich scheinende Seite nach und nach auflöst, nachdem die Effekte aus dem Video den Platz des Players überraschenderweise einfach verlassen und sich auf den Rest der Seite ausdehnen. Am Ende steht nichts mehr an seinem Platz.

Während das Spiel die Altfans in zwei Lager spaltet, weil es sich für einige "zu stark" am knapp 15 Jahre alten Vorbild orientiert, kommt die Werbung bei der Zielgruppe sicher gut an. Nur schade, dass man auf der "gefälschten" Seite keine realen Zugriffzahlen erkennen kann ;)

Neugierig geworden? Hier gehts zur Youtube-Werbung für "Wario Land"

MB

Friday, October 10, 2008 2:45:17 PM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [1]
# Thursday, October 02, 2008

Guerilla "Buchbetiteling"

Der Begriff "Guerilla" hat sich mittlerweile zu Speck entwickelt, mit dem man tatsächlich Mäuse fangen kann. Nicht nur Newsportale werden seit Monaten mit Meldungen rund um mehr oder weniger zurecht als Guerilla betitelte Aktionen in der Hoffnung befüllt, damit neue Agenturkunden zu ködern - auch Bücher dürfen sich größere Chancen auf Käufer ausrechnen, wenn darin Guerilla-Methoden versprochen werden.

Guerilla MLM

Ein Klassebeispiel ist das Werk "Guerilla Multilevel Marketing", welches sich schon auf dem Umschlag schamlos über den Begriff hermacht und sich selbst in einen Topf mit weiteren 15 Millionen "Guerilla-Büchern" wirft.

Inhaltlich findet man in der Tat über 100 "Taktiken", die größtenteils zumindest das Kriterium erfüllen, mehr Zeit und Kreativität als Budget zu erfordern. Und wenngleich es sicher z. B. keine allzu gute Idee ist, sich lediglich mit dem in Taktik 53 "Incoming Links" auf knapp einer Seite vermittelten Rüstzeug an die Arbeit der OffPage-Optimierung der eigenen Website zu machen (denn man kann eine Domain viel einfacher und schneller unbrauchbar machen), so findet das rat- und ahnungslose Opfer einer Multilevel-Idee doch einige Einblicke in die Grundlagen der betrachteten Aspekte des Marketings, die aus der Sicht eines "Schneeballers" - oft recht konstruiert - in zwar prägnanter, aber allzu oft gefährlich vereinfachter Form beleuchtet werden. Als "allumfassendes Grundlagenwerk" versucht das Buch, die typische Hausfrau auf weniger als 300 Seiten in einen gut organsisierten und erfolgreichen Unternehmer zu verwandeln - da muss man wohl einige Abstriche und Vereinfachungen in Kauf nehmen. Ob man nach der Lektüre als vollkommen unvorbelasteter "Unternehmer aus der Not" aber wirklich alles in der Hand hält, was man zum Erfolg braucht, darf bezweifelt werden. Wer sich dank einer "totsicheren" Multilevel-Idee nun unerwartet auf finanzieller Talfahrt wiederfindet, kann die knapp 15,-- Dollar dennoch sicher bedenkenlos investieren und hoffen, den einen oder anderen Denkanstoß zu finden, der dabei hilft, weitere Opfer anzuwerben und sich so aus der Misere zu ranken ;)

Richtig lohnend ist das Buch aber wohl nur für das Autorenteam. Und wenn dem so ist, bieten sich noch zahlreiche andere Themen an. Warum überhaupt beim Marketing bleiben? Her mit neuen Standardwerken im Tarnlook, machen wir die 50 Millionen Guerillabücher doch einfach voll! Mit kommenden Bestsellern wie "Guerilla Autoreparaturen selbstgemacht", "Guerilla Sailing", "Guerilla Heimwerken", "Guerilla Buying" und andern Titeln sollte das doch kein Problem sein, oder?

MB

Thursday, October 02, 2008 10:50:26 AM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [0]
# Friday, September 12, 2008

Ambush-Marketing: Werbung aus dem Hinterhalt

Das Minilexikon geht in die nächste Runde. Diesmal geht es in kompakter Form um das Thema "Ambush-Marketing", dem hier im Blog auch eine eigene Kategorie gewidmet ist. Hier geht´s zur kurzen Übersicht im Minilexikon "Ambush Marketing", die knapp umschreibt, mit welchen Mitteln man gezielt einen falschen Eindruck erwecken und auf die Trittbretter gesponsorter Events aufspingen kann...

Friday, September 12, 2008 11:34:50 AM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [0]
# Tuesday, August 19, 2008

Kurzüberblick: Virales Marketing

Nach gleichem Vorbild wie das Minilexikon zum Begriff "Guerilla Marketing" schließt sich nun eine kompakte Übersicht über "virales Marketing" an. Die Definition umfasst absichtlich weder alle Aspekte viraler Kampagnen, noch findet ausführlicher Geschichtsunterricht über virales Marketing statt.

Zum Minilexikon "Virales Marketing".

Tuesday, August 19, 2008 4:30:48 PM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [3]
# Tuesday, July 08, 2008

Warum überhaupt "Guerilla"?

Wie schön war das doch früher: Hat man im Web nach Information über irgendetwas oder irgendjemanden per Suchmaschine gefahndet, gab es noch echte Überraschungen in den ersten Treffern. Heute ist von "Aal" bis "Zwetschge" fast überall Wikipedia ganz vorn. Kein Wunder also, dass sich viele Beschreibungen und Einführungsinformationen auf Wikipedia als "allverfügbare" Referenz beziehen.

Die Frage "Warum heißt Guerilla Marketing eigentlich überhaupt Guerilla Marketing?" wird folgerichtig auch dort nach ein paar Klicks ausführlich beantwortet; außerdem ist der gedankliche Weg vom effizienten kriegsführenden "David gegen Goliath" zum Marketing mit ebenso effizienten Mitteln nicht weit. Wer dennoch den historischen Werdegang des Begriffs vom realen Krieg zum Kampf um Umsätze im Schnelldurchlauf nachollziehen möchte, findet hier auch ohne Wikipedia eine kompakte Antwort in der 5-Minuten-Zeitreise durch die Welt des Guerilla Marketing.

Tuesday, July 08, 2008 3:00:25 PM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [0]
# Wednesday, June 18, 2008

Nokia N95 statt neue Jacke

Coole Werbung für das Nokia N95 und schon fast ein bißchen Guerilla:

http://www.greatpockets.com

 

Wednesday, June 18, 2008 2:55:46 PM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [2]
# Monday, June 16, 2008

Fachwirt/in für Online-Marketing

Bald ist es wieder soweit. An der WAK - Westdeutsche Akademie für Kommunikation findet am 24. Juni 2008 zum zweiten Mal der Online-Marketing-Day statt. Für alle Interessenten: Es geht an diesem Abend um den Studiengang zum/r Fachwirt/in für Online-Marketing. Dozenten und Fachkräfte, werden an diesem Abend Rede und Antwort stehen und auf (fast) alle Fragen eine Antwort finden. Für eine/n Bewerber besteht die Chance auf ein Stipendium. Der Bewerber darf mit diesem Stipendium ein Jahr lang kostenfrei an der WAK studieren und absolviert begleitend ein Praktikum in der Redaktion von www.koeln.de.

Wer neugierig geworden ist, kann sich auf der Internetseite der WAK weitere Information einholen: http://www.wak-koeln.de/.

Monday, June 16, 2008 4:24:57 PM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [1]
# Thursday, June 12, 2008

Guerilla Aufklärungskampagne "Vergiss AIDS Nicht"

Mit der Guerilla Schock Aufklärungskampagne "Vergiss AIDS nicht", macht seit März 2008 der Saarbrückener Regenbogen e.V. auf das Thema Aids aufmerksam. Der Regenbogen e.V. wurde 1999 in Saarbrücken als gemeinnütziger und eigenständiger Verein gegründet. Schwerpunkte der Vereinsarbeit liegen vor allem in der Prävention von Neuinfektionen durch Aids, sowie in der Unterstützung von HIV-infizierten Menschen. Kreiert wurde die TV- und Print-Kampagne von der Hamburger Agentur weigertpirouzwolf. Die Webseite zur Kampagne unter www.vergissaidsicht.de wurde von der MSH AND MORE Werbeagentur GmbH umgesetzt.

Die Guerilla Kampagne arbeitet mit den 5 Prominenten Nova Meierhenrich (Schauspielerin), Markus Kavka (MTV-Moderator), Katia Saalfrank („Super Nanny bei RTL), Pascal Hens (Handball Weltmeister) und Herbert Knaup (Schauspieler), die auf Plakaten und in einem Fernsehspot bekennen: „Ich habe Aids... nicht vergessen!“. Das Bekenntnis der Prominenten dürfte für jeden Zuschauer zunächst ein Schock und eine Überraschung sein. Der Werbespot ist zur Unterstützung der Ernsthaftigkeit des Themas Aids ganz in Schwarz-Weiß gehalten. Im Spot erscheinen die Prominenten mit ernsten, bedrückten Gesichtern und verkünden die schockierende Botschaft. Unterstützt wird die Kampagne von einem weiteren Prominenten, dem Schauspieler Sky Du Mont der als OFF-Sprecher agiert. Die eindrucksvollen Werbespots in voller Länge, können unter http://www.vergissaidsnicht.de/tv-spot.html anschaut werden. Aber warum arbeitet die Kampagne gegen Aids mit derartig drastischem Bekenntnis von Prominenten?

Der Hintergrund der aggressiven Guerilla Kampagne ist der massive Rückgang des öffentlichen Interesses am Thema Aids. Aids ist allerdings nach wie vor eines der größten, gesellschaftlichen Probleme in Deutschland. Der Irrglaube, dass Aids aufgrund hochwertiger Medikamente mittlerweile nicht mehr tödlich ist, ist weit verbreitet. Seit 2001 sind die HIV-Neuinfektionen in Deutschland um 81 Prozent gestiegen. Trotz der Kampagne, „Stark bleiben“ im Jahre 2007, die zum Beispiel mit eher witzigen Bildern wie Kondomen über Bananen oder Kartoffeln auf Werbeplakaten den Schutz vor Aids ansprach, lebten Ende 2007 allein in Deutschland 59.000 Menschen mit HIV Erkrankung. Das sind 5 Prozent mehr die mit dem tödlichen Virus infiziert sind, als noch im Jahr 2006.

Die Kampagne 2008 „Vergiss Aids nicht“ schlägt nun einen anderen, sehr ernsthaften Weg ein. Sie soll bewusst schockieren, abschrecken, die Öffentlichkeit aufmerksam machen und zum Nachdenken anregen.

Kritiker der Kampagne stört es, dass Prominente als „Bekennende“ im Werbespot auftauchen, jedoch keine Infizierten. Hinter der Kampagne steckt allerdings die Idee, dass Menschen sich erst angesprochen fühlen, wenn die Krankheit sie selbst oder jemanden betrifft den sie gut kennen. Um gezielt die Aufmerksamkeit eines großen Publikums zu wecken, wurden aus diesem Grund Prominente für den Werbespot engagiert, um dem Thema Aids ein Gesicht zu verleihen.

Ziele der Guerilla Kampagne sind die Aufklärung und Prävention der Infektionskrankheit. Aids wird in Deutschland unterschätzt und ignoriert. Mit Hilfe der Guerilla Schock Kampagne soll das öffentliche Interesse verstärkt und die Menschen sensibilisiert werden. Dabei richtet sich die Kampagne an alle Bevölkerungsschichten, um den weit verbreiteten Irrglauben, dass Aids nur Randgruppen betrifft, zu widerlegen.

Aufmerksamkeit ist mit den schockierenden Spots und den Werbeplakaten gesichert. Allein der Guerilla Werbespot sorgte bereits nach dem ersten Tag der Ausstrahlung für Medienrummel. Der Schock sitzt tief, auch wenn die bekennenden Prominenten nicht mit dem Aids Virus infiziert sind, sondern der Guerilla Kampagne ihr Gesicht zu Verfügung stellten. Genau diesen „Schock-Effekt“ möchten die Macher gezielt nutzen, um die Menschen für das Thema Aids zu sensibilisieren.

Sandy Lietz

Thursday, June 12, 2008 1:45:40 PM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [2]
# Friday, May 30, 2008

Guerilla Radiospot "Geht ins Ohr, bleibt im Kopf"

Wer kennt die markanten Radiospots mit dem Claim „Radio. Geht ins Ohr, bleibt im Kopf“ nicht? Die Serie von Funkspots ist bereits im Januar 2007 mit unterhaltsamen und provokanten Spots zu Alltagssituationen an den Start gegangen. Entwickelt wurde die kreative Spotreihe von der Hamburger Werbeagentur Grabarz & Partner. Ein aus der ersten Reihe bekanntes Motiv ist die hasserfüllte Ehefrau, die ihrem Nochehemann über das Radio die Scheidung erklärt. Sie fordert: “Das Haus, das Ferienhaus, die Möbel, die Garage, beide Autos, den Bausparvertrag, die Aktienfonds, deine Plattensammlung, den Hund, die Katze, die Kinder und 50% deiner Einkünfte von jetzt bis zu deinem Lebensende.

Die Radiokampagne baut auf einer Guerilla Strategie auf, die auf provokante Weise jeden Hörer erreicht. Normalerweise werden die Hörer täglich mit einer Flut von Werbebotschaften konfrontiert, die Wahrnehmung filtert einen Großteil sofort wieder aus. Bei diesen Radiospots ist das anders. In den Spots wird gleich zu Beginn die Aufmerksamkeit der Hörer erregt und über die 30 Sekunden, die die Spots dauern, aufrechterhalten. Mit den kleinen Alltagssituation, wie der gehörnten Ehefrau, der nervigen Schwiegermutter oder ein empörter Autofahrer, der nach dem Fahrer der sein Auto geschrammt hat sucht, werden die Zuhörer auf amüsante Art unterhalten.

Mit Hilfe der Spots werden aber nicht nur die Zuhörer unterhalten, am Ende spricht der Spot auch noch direkt die eigentliche Zielgruppe der Gewerbetreibenden an „Mit Radio erreichen Sie immer die Richtigen“. Fei nach dem Motto, je ungewöhnlicher, desto besser.

Doch warum nutzen die Macher ausgerechnet das Medium Radio für diese Guerilla Strategie? Ganz einfach: Radio ist ein breit streuendes Massenmedium und Tagesbegleiter Nummer 1.

Radio ist nahezu unumgänglich. Viele Hörer schalten bereits zum Frühstück das Radio ein. Studien zufolge existiert in 98 Prozent aller Haushalte in Deutschland ein Radio. Über 80 Prozent aller deutschen Autofahrer hören im Auto Radio. Radio ist bequem als Parallel-Medium nutzbar, d.h. die Hörer können Radio hören und nebenbei ganz anderen Tätigkeiten wie der Arbeit, Autofahren, Sport und Freizeit nachgehen. Das Radio schlägt mit dem Vorteil ein "Parallel-Medium" zu sein, viele andere Medien wie Zeitschriften oder Fernsehgeräte. Radio ist ideal für eine Guerilla Kampagne geeignet. Ein weiterer Vorteil: Radio hat nachgewiesen die geringsten Kontaktkosten im Vergleich zu allen anderen Massenmedien (Tageszeitung, Fernsehen etc.). Und noch ein weitere Vorteil: Radio ist eines der zielgruppenschärfsten Medien. Durch Zielgruppenbestimmungen und exakte Ausstreubarkeit über große und auch ganz kleine Zielgruppen, einen hohen Anteilen an Stammhörern, erreicht ein Radiospot je nach regionaler Bestimmung einen großen Zielgruppenanteil. Die 30 Sekunden Spots "Geht ins Ohr, bleibt im Kopf" laufen in den Werbeblöcken und kommen flächendeckend in ganz Deutschland auf öffentlich-rechtlichen und privaten Hörfunksendern zum Einsatz.

War die erste Reihe der Radiospots "Geht ins Ohr, bleibt im Kopf" erfolgreich?

Davon ist auszugehen, denn nach der ersten Reihe folgen weitere Radiospotserien, die nach der gleichen Guerilla Strategie aufgebaut sind, wie die ersten. Selbst der zu 80 Prozent türkischsprachige Radiosender Radyo Metropol FM wurde mit abgewandelten, türkischsprachigen Versionen der "Geht ins Ohr, bleibt im Kopf" Spots beliefert.

Die Macher gehen sogar noch einen Schritt weiter und beziehen die Hörer aktiv in die Guerilla Kampagne mit ein. Bis Ende Dezember 2007 waren die Hörer aufgerufen worden, eigene witzige und provokante Textvorschläge einzusenden. Der Aufruf war erfolgreich. Nahezu 900 Hörer sendeten kreative Vorschläge ein. Zwei der eingesendeten Textvorschläge wurden zu den folgenden Guerilla Spots verarbeitet:

  • Guerilla Spot "Puppenhaus":„Hallo. Dieser Radiospot hier ist für alle. ICH habe in meinem Puppenhaus alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ausgetauscht, Fenster mit Wärmeschutzverglasung eingebaut, eine moderne lambdagesteuerte Pelletsheizung installiert und Kens Porsche auf Biodiesel umgerüstet. Wenn Ihr jetzt alle mit dem Rad zur Arbeit fahrt, klappt das mit der Klimarettung“.
  • Guerilla Spot "Geburtstag": „Hallo. Dieser Radiospot ist für alle, die gestern auf meiner Geburtstagsparty waren. Weiß jemand, was zwischen 3:00 und 6:00 morgens passiert ist? Wieso ist meine Yucca-Palme blau lackiert? Was macht das Schaf im Bett? Und wer zum Geier hat die Badewanne mitgenommen? Ruft mich doch mal an. Meine Nummer ... hab ich auch vergessen.“

Bleibt abzuwarten, wann die erfolgreiche Guerilla Strategie weitergeht und welche neuen kreativen Ideen den Hörer davon überzeugen, mit Radio "immer die Richtigen“ zu erreichen.

Friday, May 30, 2008 9:55:12 AM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [1]
# Wednesday, May 28, 2008

Sex Sells?

Sex sells. Sex ist ein menschliches Grundbedürfnis und viele Untersuchungen zeigen, dass leichtbekleidete Frauen in der Werbung auf die Kaufbereitschaft der Männer durchaus anregend wirken. Deren Aufmerksamkeit hat man aber auf jeden Fall sicher.

Diese Postkarte wurde an diverse Fitness Center verschickt:

sex_sells_postkarte.jpg

... und hier die Rückseite:

sex_sells_postkarte_hinten.jpg

Keine schlechte Idee. Ich hatte auch schon einen Moment lang überlegt, mich in dem Studio anzumelden ... aber die Frage ist allerdings, ob eine eMail-Marketing-Software (also ein Newsletter-Tool) bei Fitness Studios wirklich ein sinnvolles Instrument für die Neukundengewinnung ist. Das würde ich mal eher bezweifeln! Welche eMail-Adressen sollen denn bitteschön verwendet bzw. zugespammt werden? Woher bekommt man neue qualifizierte regionale eMail-Adressen? Alle übergewichtigen männlichen Raucher ab 32 Jahren mit >= 10 kg Übergewicht aus dem PLZ-Gebiet 412xx. Von der CD für 19,80 €? Wohl eher nicht.

Für die Kundenbindung (bereits bestehender Kunden) ist ein Newsletter allerdings tatsächlich ein prima Werkzeug. Damit kann man sich regelmäßig bei den Karteileichen in Erinnerung bringen, Stammkunden besondere Angebote machen, zu besonderen Trainings oder Workshops einladen, Eiweißpulver-Sonderangebote anbieten ... oder oder oder.

Michael Gandke

Wednesday, May 28, 2008 11:14:57 AM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [2]
# Friday, May 23, 2008

Guerilla-Marketing Roadshow

Liebe Anhänger von innovativen, kreativen und originellen Marketing-Kampagnen,

 „gehen Sie Ihren Kunden entgegen“ fordern wir lautstark alle Unternehmer auf, wenn es um das Gestalten und den Aufbau von neuen, aufmerksamkeitsstarken Kommunikationsbeziehungen geht. Das heißt aber auch für uns von der Guerilla Marketing Föderation, dass wir uns ebenfalls daran messen lassen müssen.

Genau aus diesem Grund gibt es in diesem Jahr keinen stationären Guerilla Marketing-Kongress in einer einzelnen Stadt, sondern gleich eine komplette Tournee durch vier Städte, nämlich Köln, Berlin, Pforzheim und Medebach im Sauerland. Jeweils einen ganzen Tag erleben Sie die spannende Welt des alternativen Marketings. Von Guerilla Marketing, Ambient Media, über Ambush Marketing bis hin zu Viral Marketing präsentieren Ihnen ausgesuchte Experten alle Facetten eines breit gefächerten, innovativen Marketing-Mixes. Und als besonderes Bonbon haben wir zum Abschluss eines jeden Vortragsprogramms ein artverwandtes Spezialthema vorgesehen, dass Sie zum Beispiel über Customer Created Marketing oder über alternative Werbeformen für den Buchhandel informiert. Eines können wir Ihnen schon jetzt versprechen: Ob gegenwärtiger Forschungsstand, aktuelle Beispiele aus der Praxis oder Ausblick auf zukünftige Trends – alle Referenten legen großen Wert darauf, Ihnen praxisnahe und brandaktuelle Informationen zu liefern. Und stehen Ihnen anschließend auch gerne noch für Fragen zur Verfügung.

Wir laden Sie also herzlich ein, bei unserer ersten Guerilla Marketing-Tour dabei zu sein und würden uns freuen, Sie in Köln, Berlin, Pforzheim oder Medebach im Kreise der Guerilleros begrüßen zu dürfen.

Als besonderes Bonbon für die treuen Besucher des Guerilla Marketing-Blog gewähren wir auf die Teilnahmegebühr in Höhe von 299,-€ zzgl. MwSt. einen Rabatt von 10 Prozent! Bitte geben Sie dafür im Textfeld der Anmeldung das Kennwort „Guerilla Marketing-Blog“ an. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten finden Sie hier.

Schönen Gruß Thomas Patalas

Friday, May 23, 2008 10:36:33 AM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [0]
# Wednesday, May 14, 2008

Greenpeace - Guerilla Aktionen im Namen des Umweltschutzes

Guerilla Strategien werden längst nicht nur für provokative Werbezwecken in Unternehmen genutzt. Ein Paradebeispiel für ausgefeilte Guerilla Aktionen auf einer ganz anderen Ebene, bietet die Umweltorganisation Greenpeace „Grüner Friede“. Die Organisation nutzt in 40 Ländern geradezu meisterhaft die Guerilla Technik, um die Öffentlichkeit auf Umweltprobleme aufmerksam zu machen. Wie aber macht man Marketing für die Umwelt? Für saubere Energie, kontrollierte Gentechnik, Klima-, Meeres- und Tierschutz? Man etabliert eine Marke. Mit Hilfe von Guerilla Marketing etablierte Greenpeace seine Marke weltweit im Umweltschutz. Die Guerilla Aktionen sind einerseits darauf ausgerichtet, Umweltverschmutzung zu verhindern, andererseits das Bewusstsein der Öffentlichkeit auf provokante und unkonventionelle Art zu wecken.

Bereits 1971 startete die erste Guerilla Aktion, die von einer Handvoll Umweltschützern, die sich Greenpeace nannten, ausgeführt wurde. Ziel der Aktion war ein Atomtestgebiet der Amerikaner in Alaska, der durch die Anwesenheit der Umweltschützer verhindert werden konnte. Die gefährliche und provokante Guerilla Aktion war nicht nur erfolgreich, sondern verbreitete sich über Medienbericht auch wie ein Lauffeuer über die ganze Welt und machte die Umweltschützer weltberühmt. Aus dieser Gruppe Umweltschützer entwickelte sich eine internationale Organisation, die ausschließlich über private Spenden finanziert wird und somit unabhängig arbeiten kann. Wie genau das funktioniert hat und wie Greenpeace begonnen hat, erfahren Sie unterhaltsam per Audiobook.

Seit dieser Zeit nutzt Greenpeace konsequent Guerilla Aktionen mit exemplarischen und symbolischen Charakter. Greenpeace arbeitet mit Aufsehen erregenden Aktionen, aber auch mit Aufklärung und Boykottaufrufen. Folgende Taktiken nutzt Greenpeace für ausgefeilte Guerilla Marketing Strategien.

Beispiele für Guerilla Taktik mit aufsehen erregende Aktionen

  • Greenpeace nutzt Schlauchboote für Guerilla Aktionen gegen den Walfang. Mit wagehalsigen Aktionen hindern sie zum Beispiel japanische Schiffe am Walfang oder dokumentieren vor Ort das Geschehen, um es an die Öffentlichkeit zu bringen. Greenpeace Aktivisten ketten sich an Bahnschienen, um den Transport von abgebrannten Brennelementen eines Atomkraftwerkes zu verhindern.
  • Greenpeace protestiert gegen US-Präsident George W. Bush US-Atomwaffenpolitik. Bei seinem Deutschlandbesuch fuhren zwei Schlauchboote auf dem Rhein in Mainz auf Sichtnähe heran und entrollten ein Banner: “No nuclear weapons in the USA and elsewhere - No more wars, Mr. Bush! - Greenpeace.
  • Greenpeace macht Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Debatte um die blockierte russische Ölpipeline darauf aufmerksam, dass die Atomkraft das Öl nicht ersetzen kann und für die Zukunft mehr erneuerbare Energien erforderlich sind.
  • Greenpeace projiziert dafür einen Spruch auf die Reaktorkuppel des Atomkraftwerkes Brokdorf: „Öl = Auto, Atomkraft = Strom, Frau Merkel“

Beispiele für Guerilla Taktik durch Aufklärungsaktionen

  • Greenpeace organisierte eine Unterschriftensammlung gegen Gen-Food. Allein in Deutschland kamen 400.000 Unterschriften zusammen, die dem Ministerium von Bundesverbraucherminister Horst Seehofer überreicht wurden. Hintergrund der Unterschriftensammlung war die fehlende Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Produkte wie Milch, Eier und Fleisch.
  • Greenpeace gibt jedes Jahr zahlreiche Studien und Broschüren mit Hintergrundinformationen zu Greenpeace-Themen heraus. Allein in den ersten Monaten 2008 wurden zahlreiche Beiträge publiziert wie “Greenpeace-Test von Früh-Erdbeeren 2008: Pestizidwerte sinken“, „22 Jahre Tschernobyl“, „Urwaldrepublik Deutschland“ und „Appell an Horst Seehofer gegen MON810“.
  • Greenpeace weltweit bieten diverse Vorträge, um auf die Umweltproblematiken aufmerksam zu machen. Beispiele für Vortragsthemen sind: „Die Welt zu Zeugen machen -Methoden der Umweltarbeit von Greenpeace“, „Wale - Symbole des Lebens“, „Urwaldschutz ist Klimaschutz“ und „Gentechnik in Lebensmitteln“.

Beispiele für Guerilla Taktik durch Boykottaufrufe

  • Greenpeace ruft im Mai 1993 zum Boykott norwegischer Produkte auf. Denn trotz eines geltenden Fangverbots beabsichtigte Norwegen weiterhin Wale zuharpunieren. Der Erfolg des Boykott- Aufrufs spricht für sich. Firmen stornieren Aufträge in Höhe von 90 Millionen Mark. Diese Summe entspricht einem Vielfachen der eigentlichen Walfangeinnahmen.
  • Greenpeace ruft 1995 in einer spektakulären Guerilla Aktion zum Boykott gegen den Weltkonzern Shell auf. Die Organisation wollte verhindern, dass eine mit giftigem Ölschlamm belastete Ölplattform von Shell in der Nordsee versenkt wird. Die Shell AG hatte in Deutschland 1995 gerade mit aufwendigen und teueren Werbeanzeigen ein verantwortungsbewusstes Image aufgebaut, als Greenpeace zum Shell Boykott aufrief. Medienwirksam unterstützt wurde der Boykott Aufruf durch die spektakuläre Besetzung der Ölplattform durch Greenpeace Aktivisten. Beeindruckendes Ergebnis der Guerilla Kampagne: Autofahrer, Verbände und Politiker folgten dem Boykottaufruf, die Umsätze gingen um 25-30 Prozent zurück, Shell gibt klein bei und verzichtet auf die Versenkung der Ölplattform.

Die Liste der Greenpeace Guerilla Aktionen könnte nahezu endlos weitergeführt werden. Die Guerilla Taktiken von Greenpeace verfehlen ihr Ziel nicht: sie sorgen für großes Aufsehen und wecken das Bewusstsein der Bevölkerung im Kampf gegen Umweltsünden.

Sandy Lietz


Wednesday, May 14, 2008 12:17:05 PM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [1]
# Friday, May 02, 2008

Neue Kunden durch Guerilla-Marketing im Mittelstand

Laut Institut für Mittelstandsforschung umfasst der Mittelstand 99,7 % der deutschen Unternehmen. Es gibt zwar verschiedene Definitionen von Mittelstand, aber in der Regel beginnt "der Mittelstand" bei Freiberuflern und Einzelunternehmern bis hin zu Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern ... häufig auch als KMU (Kleine und mittlere Unternehmen) bezeichnet. Manchmal ab 50 Millionen, spätestens aber ab 500 Millionen Euro Jahresumsatz endet dann per Definition "der Mittelstand".

Und alle Unternehmen haben das Problem, dass sie neue Kunden gewinnen müssen. Die kleinen Firmen um zu Überleben, die großen Mittelständler, um endlich die 50 Millionen Umsatz zu übersteigen, um wenigstens bei einer der diversen Definitionen nicht mehr als Mittelständler zu gelten.

Aufmerksamkeitstarkes Guerilla-Marketing kann dafür ein interessantes Werkzeug im unternehmerischen Marketing-Mix sein. Ein Anwalt für Arbeitsrecht könnte so z. B. vor dem Arbeitsamt das Citylight-Poster mieten und gekündigten Mitarbeitern - die sich ja umgehend arbeitssuchend melden müssen - seine Dienste anbieten um vielleicht noch eine fettere Abfindung herauszuholen.

Einzelhändler könnten Riesenplakate mit Werbebotschaften aus den Fenstern hängen. Zwar gibt das vermutlich Mecker vom Ordnungsamt (und eine kleine Strafe für Obrigkeitsverunglimpfung oder so ... wird fällig), aber die Aufmerksamkeit der Autofahrer, Fußgänger und evtl. sogar der örtlichen Tageszeitung ist einem sicher. Zur Not schickt man halt selbst einige Bilder mit Kommentaren an die lokale Presse.

Wie man subtil Werbung in eigener Sache in Internetforen macht, habe ich ja bereits in meinem kostenlosem eBook mit Marketing-Tipps im Internet zum Besten gegeben.

Jede Menge andere Tipps, wie man im Mittelstand neue Kunden finden kann und wie Guerilla-Marketing zur Neukundengewinnung eingesetzt werden kann, habe ich in dem empfehlenswerten www.mittelstandscoach.de gefunden. Einfach mal reinsehen und etwas Zeit zum Lesen mitbringen.

Michael Gandke

Friday, May 02, 2008 1:53:44 PM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [0]
# Wednesday, April 02, 2008

Ist Guerilla-Marketing als Massenprodukt lebensfähig?

Guerilla Marketing, Virales Marketing, Blog-Marketing & Co. scheinen in der Breite der Werbebranche nach wie vor ein Nischendasein zu fristen; zumindest wenn man betrachtet, wie gering der Anteil hier investierter Budgets im Vergleich zu den Kosten "klassischer" PR-Kampagnen ist. Wenngleich es inzwischen häufiger vorkommt, dass neue Produkte oder Marken auch durch virale Kampagnen oder andere Mittel aus dem Guerilla-Werkzeugkasten beworben werden, ist dies weder die Regel, noch zeichnet sich ein Trend ab, dass klassische und etablierte Werber sich in Zukunft häufiger mit solchen Mitteln "abgeben". Was aber würde passieren, wenn sich das ändert?

Auch dort, wo Guerilla-Methoden als denkbare und erfolgversprechende Formen der Produkt-PR erkannt werden, um Aufmerksamkeit für ein neues Produkt zu erzielen und / oder zum Kauf durch Empfehlung zu animieren, scheinen derzeit nur wenige Entscheider in den beauftragenden Unternehmen offenbar diese Erkenntnis zu Ende zu denken und Guerilla Marketing (sowie andere, nach wie vor als „unkonventionelle“ Mittel geltende Strategien) auch als Standardwaffe für Produktmarketing einzusetzen - und folgerichtig ein festes Budget dafür einzuplanen (genau wie sie es seit Jahren für Print & Co tun, ohne lange darüber nachzudenken). Ob und wann hier ein großflächiges Umdenken stattfindet, statt wie bisher eher die Ausnahme zu sein?

Die Forderung nach einer Etablierung im - nach wie vor recht klassisch angehauchten - Mediamix auch der finanzstarken Kampagnenfürsten ist jedenfalls nicht neu. Diese zu erfüllen, scheitert vielleicht nicht zuletzt auch daran, dass "Guerilla" gern als Ausweg für Kampagnen ohne ernst zu nehmendes Budget mißverstanden wird und daher "für uns überhaupt nicht in Frage kommt".

Was aber würde passieren, wenn es zum guten Ton gehörte, Guerilla-Marketing zu betreiben und man plötzlich weitaus häufiger darauf trifft als bisher? Könnte es gar einen guten Teil seines Effekts verlieren, wenn wir mit "Außergewöhnlichem" mehr oder weniger überschwemmt werden, so dass eine Verweigerung der Wahrnehmung schon aus reinem Selbstschutz nicht ganz auszuschließen ist? Wenn sich gezielt platzierte Kommentare und bezahlte Rezensionen in Blogs in durchschaubare Produktwerbung verwandeln, wäre auch dieses Feld irgendwann (theoretisch) vielleicht zu Tode bewirtschaftet und es blieben "nur noch" Ambush, Viralkomik und Unübersehbares auf der Straße übrig… Der Durchschnitts-Webmensch zumindest hat schnell und erfolgreich gelernt, bannerblind zu werden. Kann er auch - im Web wie im wahren Leben - guerillablind werden?

Zum Glück wird es sicher noch mindestens eine (Web-)Generation dauern, bis diese "Gefahr" überhaupt eine Chance hat, Potential zu entwickeln, denn weder die Haltung gegenüber Guerilla Marketing noch das Wissen darüber scheint sich großartig zu bewegen, wenngleich Guerilla als Begriff in den letzten Jahren durchaus populärer geworden ist - vor allem im deutschsprachigen Raum, wenn man sich die Top 10 Regionen, Städte und Sprachen ansieht, die bei Google Trends zum Begriff "Guerilla Marketing" erscheinen. Dass dies leider auch bedeutet, dass inzwischen jede zweite Unterschriftensammlung und Handzettelverteilungsaktion gern als „Guerilla-Event“ geschmückt wird, ist wohl die unvermeidliche Kehrseite...

MB

Wednesday, April 02, 2008 2:24:42 PM (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [1]
# Thursday, March 13, 2008

Weniger Taschendiebstähle durch Guerilla-Marketing

Guerilla-Marketing hat natürlich schon etwas mit Angriff, Waffen und überraschenden Aktionen zu tun ... aber was hat Guerilla-Marketing mit einem Rückgang von Taschendiebstählen zu tun ... ?

Alles begann im Juli 2004: Vier mit Maschinenpistolen bewaffnete Männer betraten eine Sparkassenfiliale. Die schnell alarmierte Polizei rückte umgehend schwerbewaffnet an und konnte die Spitzbuben glücklicherweise dingfest machen ...

In der Pforzheimer Zeitung steht dann die Auflösung von "Was Bohrmaschinenwerbung mit Taschendiebstahl zu tun hat ..."

Thursday, March 13, 2008 11:48:02 AM (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [0]
# Wednesday, March 05, 2008

Cin King Motors / Smart: "virale" Pressemeldung?

Auf jeden Fall eines der Ziele der "Cin King Motors" - Kampagne von Smart ist schon aufgegangen, denn die Internet-Gerüchteküche hat einiges an Blogbeiträgen, Diskussionen, Suchmaschinentraffic und Vermutungen zu Tage gefördert, bevor das Rästel dann ausgelöst wurde. Die passende Website unter www.cin-king.com dazu bietet genau den Unterhaltungswert, den sich der anvisierte potentielle Käufer gern auch mal online abholt. Das wahrlich professionelle Design und die verschwenderisch ganzseitigen Anzeigen in Autozeitschriften haben neben den unverschämt hohen Kosten, die wohl nur im Verhältnis zu "konventionellen Kampagnen" in diesem Bereich als günstig bezeichnet werden können (siehe Beitrag zur Auflösung der Kampagne im Spiegel) aber sicher noch zahlreiche weitere Besucher gebracht.


Auch jetzt surfen sicher täglich weitere Newskonsumenten vorbei, um zu kontrollieren, wie die allerorts (auch im Spiegel - Beitrag) angekündigte "Flash-Vernichtung" der Seifenblase aussieht. Wer diese nicht sofort findet, hat wohl schon eine gewisse Resistenz gegen nervige Banner aufgebaut: Zur Auflösung muss man auf die äußerst unruhige Grafik im Kopf der Seite klicken. Der Rest war wohl zu schade (oder zu teuer?), um gleich mit gesprengt zu werden...

Markus Baersch



Wednesday, March 05, 2008 8:35:16 AM (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [1]
# Friday, February 29, 2008

Ihr Beitrag im Guerilla-Marketing Blog?

Guerilla-Marketing, Ambush, Street, Viral… Es gibt eine Menge an Themen, die im Zusammenhang mit Guerilla-Marketing interessant und einen Kommentar wert sind. Haben Sie eine außergewöhnliche Aktion gesehen oder selbst initiiert und können mehr als nur einen platten Werbetext in der Hoffnung auf einige eingehende Links bieten? Dann senden Sie uns Ihren Beitrag! Gern nehmen wir Ihren Vorschlag per E-Mail an redaktion@guerilla-marketing-blog.de entgegen und veröffentlichen ausgewählte Beiträge nach Rücksprache mit den Autoren hier im Guerilla-Marketing Blog – selbstverständlich unter Nennung des Verfassers.

Machen Sie mit beim Mitmach-Web und senden Sie uns Ihren Beitrag. Geben Sie den gewünschten Titel und Inhalt an; vergessen Sie nicht Ihren Namen und eine gültige Antwortadresse.

Friday, February 29, 2008 3:38:59 PM (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [0]
# Tuesday, February 12, 2008

Briefkasten Guerillas werben für Aktienclub

Nette (überschaubare) Briefkastenaktion eines Aktienclubs in Augsburg: Es wurden Flyer an rote "Erfolgsmenschen" gehängt, die nun an allen Briefkästen präsent waren. Die Kampagne führte zu zahlreichen Gästen auf der beworbenen Veranstaltung.

 rotmann.JPG

Guerilla-Marketing ist vielleicht etwas zu weit hergeholt, aber das ist kein schlechtes Beispiel für Lokales Marketing: "Die Aufmerksamkeit" der Hausbewohner hat man dabei sicher :) Fragt sich nur, wie viel Aufwand das alles war. Mit über 260.000 Einwohnern ist Augsburg nicht gerade klein. Das Befestigen der Rotmännchen "an allen" Briefkästen wird die ein oder andere Stunde "gekostet" haben. Vielleicht hätte eine Anzeige in lokalen Zeitungen für 400,- € den selben Effekt gehabt ...?

Michael Gandke

Tuesday, February 12, 2008 9:35:03 AM (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [3]
# Monday, February 11, 2008

Entrypark und adidas starten Marketing Challenge für Studenten

Adidas (Fußballschuhe usw.) und Entrypark (Karriereportal) schreiben gemeinsam anläßlich der Fußball EM 2008 eine Guerilla-Marketing Challenge aus, um die besten Marketing-Talente in Europa zu finden. Einsendeschluß für die erste (von drei) Runden ist der 29.2.08 ... also in knapp 2 Wochen. Mehr Infos finden sich hier als Pressemitteilung oder direkt bei Entrypark.

Coole Sache, für so ein Top-Event als eines der besten Marketing-Talente "mitspielen" zu dürfen. Immerhin gibt es als Preis nämlich für das Gewinnerteam (pro Teilnehmer) zwei Tickets für ein Finalrundenspiel der EM, die ja etwa 500,- € / Ticket wert sind, aber jetzt schon in diversen Ticketbörsen für richtig großes Geld gedealt werden ... Die Ehre, ein Top-Student zu sein, gibt's noch umsonst dazu.

Auch für Adidas keine schlechte Aktion: In der zweiten Runde gibt es bereits 20 gute (selektierte) Guerilla-Marketing-Konzepte. In der Finalrunde treten dann die fünf besten Guerilla-Konzepte gegeneinander an. Da wird auf jeden Fall das ein oder andere brauchbare Konzept dabei sein. 20 unterschiedliche Konzepte dürften bei Werbeagenturen und/oder Guerilla-Marketing-Agenturen pro Konzept etwa 3.000,- € kosten (macht 60.000,- €) ... die fünf finalen Konzepte, die dann letztendlich präsentiert und gewertet werden, dürften wohl mit weiteren 40.000,- € (8 Tagessätze * 1.000,- € * 5 Teams) zu Buche schlagen. Macht geschätzte 100.000,- € Beratungsleistungen (hoch engagierte Professoren & Dozenten nicht mit eingerechnet) im Tausch für 10 EM-Tickets.

Anmeldeschluß nicht verpassen.

Michael Gandke

Monday, February 11, 2008 9:57:52 AM (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [2]
# Thursday, January 17, 2008

Guerilla-Prinzen werben für neue Apfelsorte "Red Prince"

Was ist knackig, hat rote Bäckchen und kommt aus dem Osten? Achtung Fangfrage: Gemeint ist nicht das prominente "Opfer" auf der Abbildung, sondern die Apfelsorte "Red Prince", die sich aufmacht, der roten Konkurrenz wie Braeburn, Gloster, Jonagold & Co. den Platz in den Verkaufsflächen streitig zu machen. Und da dies offensichtlich nicht so einfach ist, hat die Hamburger Agentur Görg Consulting einen Teil des Budgets in möglichst schnelle Bekanntheit gesteckt.

Der Apfel mußte dazu wohl oder übel selbst auf die Straße. Begleitet wurde er auf seiner Tour von zahlreichen Goethe zitierenden Promo-Aktivisten im Prinzenlook nebst rasenden Reportern, deren eingebrachte Ernte aus mehr als 1000 Bildern und einigen Videodokumentationen besteht. Insgesamt wurden während der im November und Dezember 2007 durchgeführten Verteilaktion rund 30.000 Red Prince Probieräpfel überreicht; darunter einige auch im Rahmen des CDU Parteitags in Hannover.

Red Prince auf dem CDU-Parteitag

Weitaus größer wird wohl die Zahl der Umstehenden gewesen sein, die durch ausreichend laut vorgetragene Sätze wie "Mein schönes Fräulein, darf ich´s wagen, Ihnen diesen Apfel anzutragen?" zumindest kurzzeitig den Zwang verspürt haben, sich nach Prinz und Apfel umzudrehen...

Wie viel bekanntheits- und absatzfördernde Aufmerksamkeit die Aktion wirklich gebracht hat, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall aber hat sich offensichtlich die Arbeit der "Reporter" gelohnt, deren Ernte auf der eigens eigenrichteten Eventsite zu bewundern ist.

Markus Baersch

Thursday, January 17, 2008 10:22:52 AM (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [1]

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