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# Monday, 13 July 2009

Voller Einsatz bei der Verzierung: Zerschossenes Mailing

Ob nun Guerilla oder nicht: Den Einsatz muss man anerkennen! Für die Spezialausgabe "Thriller und Krimi" von Das Buchjournal (kostenloses Magazin mit Lesetipps) sollte per Mailing geworben werden. Und um dem Mailing eine besondere Note zu verschaffen, sollte ein waschechtes Durchschussloch jedes Mailing verzieren. Wer aber weder eine durchschussähnliche Stanze (wenn es denn sowas geben sollte), noch einen Schein für Wummen mit Mumm besitzt, für den kann da schon mal ein wenig Mehrarbeit anfallen.

So blieb auch dem Team der Agentur zündung aus Frankfurt nur der Ausweg "Luftgewehr" zur Schaffung realistischer Schäden im Mailing. "Ärgerlicherweise bekommt man schöne Löcher nur dann, wenn man auf nicht mehr als 4 Mailings schießt. Bei einer Auflage von 2000 Stück heißt das also 500 Mal schießen. [...] Wir freuen uns also auf´s Plastik-Rosen-Schießen bei der nächsten Jahrmarktschießbude." lautet folgerichtig der Kommentar von Alexander Dimolaidis, Geschäftsführer von zündung.

Die Mühe hat sich demnach gleich doppelt gelohnt. Das Ergebnis kann sich jedenfalls sehen lassen:

Einschusslöcher

Vielleicht wäre es eine gute Idee gewesen, die gewollte Verunstaltung des Mailings gleich mit einer Spendenaktion zu verknüpfen und andere gegen Kohle ballern lassen? Der persönliche Einsatz hat sich aber auf jeden Fall in Form sauber platzierter Einschusslöcher gelohnt. Das obligatorische Video zur Aktion gibt´s bei Youtube.

Monday, 13 July 2009 16:04:30 (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [2]
# Thursday, 02 July 2009

Bitte nicht noch mehr nerven mit der blöden Finanzkrise

Alles fing damit an, dass mich Theo, ein befreundeter Juwelier bei einem Anstandsbesuch in seinem Ladengeschäft beiseite genommen hat und mich leichenblaß fragte, ob ich denn auch schon das Buch von dem Müller, dem Daxtypen gelesen hätte. Es ginge um die Finanzkrise und um eine gigantische weltweite Verschwörung, an deren Ende alles bisherige Geld durch eine neue weltweite Währung ersetzt werden würde, damit sich alle Staaten auf einen Schlag entschulden könnten ... und überhaupt unser Geld auf dem Konto wäre dann nichts mehr wert, die Altersvorsorge weg, und und und ...

"Theo ... is klar ... das kenn ich zwar nicht, aber hört sich nach einem Riesenbuch und einer Riesenstory an" ... und ich versprach, mir das Buch zu besorgen und mich auf der Stelle auf das Ende der heute bekannten Finanzwelt vorzubereiten, haltbare Nahrungsmittelvorräte anzulegen und ohne Axt und langes Messer das Haus nicht mehr zu verlassen.

Einige Wochen später schlenderte ich so durch eine Offline-Buchhandlung und sah im Bestseller-Ständer ein Buch "Cashkurs" von einem Mr-Dax. Per Handy bei Theo nachgefragt, ob das die neue Investorenbibel wäre und nach Bestätigung sofort gekauft ... und wieder ein paar Wochen liegengelassen.

Irgendwann habe ich mir das Buch dann doch mal geschnappt ... um es in einem Durchgang zu verschlingen! Ich Volldepp! Zwar ist selbst mir nicht entgangen, dass ab Anfang 2008 das ein oder andere in unserer Wirtschaft (oder vielleicht sogar weltweit) nicht ganz zum Besten stand, aber was sich da wirklich "im Hintergrund" abspielt(e), ist tatsächlich an mir fast vollständig vorbeigegangen.

Zwar habe auch ich seit Januar 2008 fallende Aktienkurse mit Besorgnis registriert (immerhin hatte ich einige Finanztitel im Depot, die ja Mitte 2007 so schön auf günstige Kaufkurse gefallen sind), auch hatte ich mich im Oktober 2008 darüber gefreut, dass die Bundesmerkel für meine Spareinlagen garantiert, aber neben diesen Dingen und noch ein bißchen Nachrichten-Schnickschnack zwischen Richtershow und Pefektem-Dinner rund um HRE, Lehmann Brothers, Fanny MacMae & Co. wäre mir nie in den Sinn gekommen, dass hier zur Zeit tatsächlich gerade eine der größten Veränderungen in unserem Wirtschafts- und Finanzsystem ansteht. Die Börsenkurse gingen ab März 2009 ja auch wieder granatenartig nach oben ... alles wird wieder gut! Die Amis haben das mit ihren Immobilien zum Glück noch mal hinbekommen.

Trotzdem auf den Geschmack gekommen, habe ich angefangen, immer mehr über die Ursache der Finanzkrise und die tatsächlichen Ereignisse zu recherchieren. Und was da so im Laufe der Tage "ans Tageslicht" kam, gefiel mir immer weniger. Je mehr ich gelesen habe, desto weniger hatte ich das Gefühl, dass tatsächlich alles wieder gut wird.

Auf einmal erschienen mir - mittelfristig betrachtet - "Geldanlage" in der üblichen Kapitallebensversicherung oder als Festgeld überhaupt keine gute Idee mehr, weil ich befürchtete, dass die nun bald fällige Inflation (aufgund der dramatisch gestiegenen Geldmenge) meine ganzen Ersparnisse weginflationieren würde. Und was mir am meisten Sorgen machte ist, dass man viele Informationen erst mühsam auf sogn. Nischenwebsites heraussuchen musste ... aber seit einigen Wochen mittlerweile in den gängigen Mainstream-Medien findet. Die Wirtschaftskrise findet nun nicht mehr im Hintergrund oder nur im Dax statt, sondern hat wohl die meisten von uns eingeholt. Im Bekanntenkreis gibt es schon etliche Kurzarbeiter und die ersten Entlassungen finden auch schon statt.

Mit einigen Leute aus dem Bekanntenkreis haben wir uns dann regelmäßig die immer neu entdeckten Nachrichten mit einer gewissen Tragweite per eMail inkl. eigenen Kommentaren zugeschickt, damit jeder über den aktuellen Verlauf "unserer Finanzkrise" auf dem Laufenden bleibt und bei seiner privaten Geldanlage und Krisenvorsorge entsprechend handeln kann. Wenn GM pleite geht und 100.000 Jobs verloren gehen oder wenn im deutschen Maschinenbau 50.000 Jobs verloren gehen oder wenn in der deutschen Autoindustrie bis Ende 2009 vermutlich jeder zwei Zulieferer pleite macht ... das alles hat sicherlich eine gewissen Tragweite. Nicht nur "für die paar Mann", die ihren Job verloren haben, sondern solche Ereignisse ziehen Kreise, die vermutlich für die ganze deutsche Wirtschaft in einem großen Strudel enden ...

Seit einiger Zeit haben wir diese kommentierten Meldungen der Wirtschaftspresse nun aus Gründen der Chronologie kurz kommentiert in dem Blog www.richtige-schritte.de zusammengefaßt. Wer sich zukünftig im Rahmen eines Krisenbarometers einen aktuellen Überblick über wichtige  weitere Entwicklungen der Finanzkrise und deren Auswirkungen auf unser wirtschaftliches Wohlbefinden verschaffen möchte, ist herzlich eingeladen, hier mitzulesen oder gerne auch mitzuschreiben ...

Chronologie, Infos und Tipps zur Finanzkrise ...

Meike, Simone, Michael, Ralph, Theo, Volker, Jürgen, Markus, Tom, Achim ...

Thursday, 02 July 2009 14:34:02 (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [4]
# Monday, 29 June 2009

Open Source Guerillas

"Quelloffene" (Open Source) Software galt jahrelang als Software der Bastler und Computerfraks, die mit frei zugänglichem Quellcode im stillen Kämmerchen Projekte möglichst kostengünstig vorantrieben. Betrachtet man heute die Entwicklung, sind Open Source Tools keineswegs nur die Werkzeuge von einzelnen Freaks. Besonders kleine Unternehmen mit geringen Marketingbudgets haben Open Source für sich entdeckt.

Über geschicktes Marketing über eigene Open Source-Produkte und / oder entsprechende Zusatzangebote rund um renomierte Open Source-Lösungen versuchen sie, mit geringen Mitteln größmögliche Aufmerksamkeit zu erregen, um Kunden für sich zu gewinnen. Und das ist ziemlich genau das, was Guerilla Marketing ausmacht.

Open Source auf der Beliebtheitsskala weit oben

Bevor man etwas verkaufen kann steht die Frage: Was bewegt die Menschen gerade? Oder anders formuliert: Wo liegen die sensibelsten Punkte? In Zeiten in denen das Wort "Weltwirtschaftskrise" Hochkonjunktur hat, liegt die Antwort darauf auf der Hand. Effiziente und preiswerte Lösungen erregen Aufmerksamkeit und stehen auf der Beliebtheitsskala ganz weit oben. Kriselnde Wirtschaft und gekürzte Budgets begünstigen die gesteigerte Beliebtheit von Open Source Lösungen. Frei verfügbare Lösungen die sich frei weiterentwickeln lassen und noch dazu preiswert sind, stehen hoch im Kurs. Einen weiteren Punkt zur Beliebtheitsskala tragen für Open Source als Guerilla Marketing Instrument die Entwickler bei, die unter Verwendung einer Open Source Lösung für deren Akzeptanz sorgen und so die Beliebtheit bei anderen Entwicklern fördern – ganz ohne horrende Werbeetats, aber mit jeder Menge Aufmerksamkeit. Auch im Bereich des Forenmarketings oder der Bildung einer treuen Anhängerschaft mit willkommenen viralen Nebenwirkungen ist Open Source durchaus vertreten. MySQL nutzt z. B. seit Jahren eigene und fremde Entwickler für das Marketing. Egal ob die Entwickler das Produkt loben oder es kritisieren, das Produkt "lebt" - besonders von konstruktiver Kritik und wird durch sie weiterentwickelt und verbessert. Einfacher und effizienter kann Marketing nicht sein. Zudem sind "Guerilla Marketing Kämpfer" längst darüber im Bilde, dass Open Source Angebote im World Wide Web einen starken Verbündeten haben. Einen Verbündeten, bei dem Open Source jede Menge Aufmerksamkeit erhält:

Google Support für "Guerilla Marketing Kämpfer"

Dieser Verbündete ist kein Geringerer als Google. Für Unternehmen die Open Source Lösungen anbieten, eröffnen Google Suchanfragen ganz neue "Quellen". Bei Suchanfragen mit den Begriffen Open und oder Source - ganz gleich in welchem Zusammenhang - erscheinen bei Google reichlich Suchergebnisse, die Open Source Anbietern die gewünschte Publicity verschaffen. Weltweit profitieren Unternehmen vom nach wie vor andauernden Open Source "Hype". Zuvor eher unbekannte Unternehmen wie die Open Source Dokumenten-Management-Spezialisten KnowledgeTree aus San Francisco beliefern so mittlerweile bekannte Kunden wie Sony Entertainment, Société Générale Group and Mazda Motors Europe - nicht zuletzt dank zahlreicher Auflistungen und Verlinkungen in Open-Source-Directories und hervorragender Rankings mit werbewirksamen Verweisen auf Produkte und Dienstleistungen.

Open Source im Guerilla-Praxiseinsatz

Mit dem Begriff Open Source werden vor allem Produkte und Namen wie Typo3, Linux, Firefox, MySQL uvm. assoziiert, die sich nachhaltig am Markt etabliert haben und von denen heute große Unternehmen kostenpflichtigen Support beziehen – eben weil sie so gut und über Jahre von unzähligen Entwicklern ausgereift sind. Open Source bietet heutzutage aber für nahezu jede Marketingaufgabe eine passende Anwendung. So gesehen ist also auch das einsetzende Unternehmen unter den richtigen Voraussetzungen als Guerilla zu verstehen, der seine Ressourcen möglichst effektiv einsetzt. Von der kostenlosen Planung mit Freemind über Content-Management mit Joomla, Blogs mit WordPress, E-Mail Marketing mit Open EMM, Online-Foren mit phpBB bis hin zum Trouble-Ticket-Management mit OTRS finden sich zahlreiche Lösungen, die neben zahlreichen Ablegern, Speziallösungen und Parallelentwicklungen in Betracht gezogen werden sollten.

Die Auswahl ist riesig und ein prüfender Blick, welche Open Source Lösung sich für ein Unternehmen eignet, immer sinnvoll. "Quelloffen" bietet gleichermaßen Chancen für Unternehmen die Open Source Lösungen anbieten, als auch für Unternehmen die die quelloffene Software für Guerilla Marketing nutzen möchten. Kleiner Aufwand – große Wirkung: Willkommen im Kreis der Open Source Guerillas.

Sandy Schindler

Monday, 29 June 2009 15:18:29 (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [0]
# Wednesday, 22 April 2009

Guerilla-Marketing beim T-Mobile Netzausfall

Am 21. April 2009 musste die T-Mobile einen Netzausfall melden. Für immerhin etwa drei Stunden (laut netzzeitung.de) war das Netz der Bonner Mobilfunker lahm gelegt. Da der Netzbetrieb das eigentliche Geschäftsmodell einer Mobilfunkgesellschaft darstellt, ist natürlich ein Netzausfall ein klassischer Supergau.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Vermutlich nutzen viele Kunden die Mutter aller Suchmaschinen Google, um sich zu informieren, was da los ist. Diesen Sachverhalt machte sich Mitbewerber Eplus und O2 zunutze und schalteten einfach mal ein paar Adwords auf das Keyword "Netzausfall", Motto: "Mit BASE keine Ausfälle". :-)

Schneller kann man eine Gurilla-Marketing-Kampagne vermutlich nicht umsetzen. Einerseits dürfte eine große Anzahl von T-Mobile-Kunden während der Störung Google bemüht haben (telefonieren konnten diese ja nicht, andererseits darf man bei derartigen Aktionen ja durchaus auch mal mit der ein oder anderen boshaften und gehässigen Berichterstattung über "den Marktführer" in der Presse rechnen.

(Gefunden: blog.telefon.de). http://blog.telefon.de/produkte-handys-mobilfunk/wer-den-schaden-hat-braucht-fuer-den-spott-nicht-zu-sorgen/

Klaus-Martin Meyer

Wednesday, 22 April 2009 09:19:43 (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [1]
# Thursday, 16 April 2009

Böses (GE)TWITTER

„Guten Morgen Twitterland!“ So oder so ähnlich begrüßen sich täglich die Menschen der Twitter-Gemeinschaft, einem stetig wachsenden Social Network und Micro-Blogging-System.
Millionen von Menschen twittern derzeit mehr oder wenig spannende, aber intimste Details aus ihrem Privatleben aus. All die „Tweerhearts“, „Princes and Princesses of Twitter“ haben der Welt unendlich viele, unglaublich wichtige Dinge mitzuteilen. Wann sie morgens aufstehen, wer gemeinsam mit ihnen im Bett noch von der letzten Nacht wach wird, welche Kaffeesorte sie bevorzugen, welche Kleidung sie heute tragen, warum sie den Nachbar nicht mögen, wann sie ihren Rasen mähen, wie sich ihr Haustier gerade verselbständigt, was sie an ihrem Job hassen, warum es für den gestressten Hartz IV-Empfänger so schwer ist, sich zwischen den spannenden Kochshows und Richtershows in der viel zu kurzen Werbepause so gegen 14:00 Uhr seines Morgenmantels zu entledigen … Twitter - Datenschutz war gestern.

Schon seltsam in Anbetracht dessen, dass sich in Deutschland so viele Menschen Sorgen um Datenschutz und Vorratsdatenspeicherung machen und jede bekannt werdende Datenspeicherung zu weiteren Diskussionen über den „gläsernen Menschen“ führt. Ein Datenschutz-Skandal jagt den nächsten. Vollkommen legitim scheint es hingegen zu sein, ganz private Details aus dem täglichen Leben öffentlich zu posten und dabei scheinbar zu vergessen, dass die ganze Welt mitlesen kann. Wie sinnvoll kann es im Umgang mit den neuen Medien sein, jedem der es gerade gern lesen möchte, tiefe Einblicke in sein Leben zu gewähren?

Diese Frage beantwortet das Beispiel eines Arbeitnehmers aus den USA eindrucksvoll.
Der Twitter-Nutzer sprach ganz offen und frei von der Leber weg über seine Gedanken zu einem Jobangebot bei der Firma Cisco: „Cisco hat mir gerade einen Job angeboten! Jetzt muss ich den Nutzen eines dicken Gehaltsschecks dagegen abwägen, dass ich täglich nach San Jose pendeln und die Arbeit hassen werde".

Ganz zufällig, weil ja zufällig ganz öffentlich zu lesen, las ein Cisco-Mitarbeiter genau jene Nachricht und twitterte ohne Umwege zurück: "Wer immer der zuständige Mitarbeiter in der Personalabteilung ist. Bestimmt interessiert er sich sehr dafür, dass du die Arbeit hassen wirst. Wir hier bei Cisco kennen uns mit dem Internet aus". Ob Cisco den Mitarbeiter eingestellt hat, ist nicht bekannt. Der Twitter-Nutzer hat allerdings aus seinem all zu öffentlichen Geplauder gelernt und seinen Twitter-Feed nicht mehr für die breite Masse frei zugänglich.

Twitter -  Für und Wider beim Einsatz in Unternehmen

Dennoch haben sowohl Unternehmen, als auch Prominente Twitter für clevere Guerilla Marketingaktionen entdeckt. Unternehmen nutzen Twitter für überraschende Guerilla Kampagnen. Online Relations zu Kunden und Interessenten können mit niedrigem Aufwand ausgebaut und direkte Kontakte pflegen werden. Über Twitter stehen RSS Feeds und SMS Alerts zur Verfügung, die bequem als Newschannel oder Newsletter für Kunden verwendet werden können. Nicht nur extern, sondern auch unternehmensintern kann Twitter durchaus sinnvoll für eine gemäßigte Kommunikation z. B. bei einer offenen Frage an einen Kollegen eingesetzt werden.

Leider sieht die Realität oft anders aus und aus kurzen sinnvollen Fragen an den Kollegen wird schnell stundenlanges Getwittere. Das Schreiben und Lesen von Beiträgen auf Twitter kostet Zeit und verhindert ganz nebenbei die Konzentration auf die eigentliche Arbeit. Bekennende „Twitterjunkies“ bestätigen sogar ein gewisses Suchtverhalten, immer wieder neue Beiträge zu schreiben, auf die sie möglichst viel positives Feedback erhalten (müssen). Ganz zu schweigen von der immer weiter schwindenden Privatsphäre. Denn wer regelmäßig twittert, verrät nach und nach immer mehr Details über sein Privatleben. Wobei vermutlich Details aus dem Privatleben von geschätzen 98,7 % der Twitter-Nutzer nur ähnlich spannend sind wie der berüchtigte Sack Reis, der gerade in China umfällt.

Twitter - Promis im Twitterwahn

Aber selbst Promis sind dem Twitter-Hyp verfallen. Nutzen manche Prominente wie Amerikas neuer Präsident Barack Obama Twitter als gezielte Wahlkampfplattform, verfallen andere Promis wie der Schauspieler Ashton Kutcher nahezu in einen Twitterwahn. Kutcher postete jüngst neben den Problemen, die er gerade mit seinem Nachbarn hat, sogar ein Foto vom Hintern seiner berühmten Frau Demi Moore und begeistert somit unzählige Fans. Was diese privaten Enthüllungen allerdings wirklich für sein Privatleben bedeuten, ist nicht bekannt. Der Nachbar dürfte über die öffentliche Bekanntgabe jedenfalls nicht gerade begeistert gewesen sein. Dummerweise ist Twitter leider kein rechtsfreier Raum ... mal schauen, wann da die ersten fetten Schadenersatzklagen kommen ...

Gut vorstellen könnte man sich aber, dass es einige Promis aus dem Promibodensatz (sogn. C-Promis oder gar D-Promis) schaffen, sich aufgrund pikanter privater Details auf den Promi-Level B- hochzutwittern.

Twitter - Google neuester Coup?

Twitter scheint auch in Bezug auf ausgefallene Marketingstrategien und Datensammlung für Google äußerst interessant zu sein. Seit Wochen brodelt die Gerüchteküche über eine mögliche Übernahme von Twitter durch Google. Erst im März dieses Jahres hatte Google-CEO Eric Schmidt zur Morgan Stanley zur Technologiekonferenz zwar verlauten lassen, Twitter sei die „E-Mail des armen Mannes", räumte aber anschließend ein: "Twitters Erfolg ist großartig. Ich glaube, er zeigt, dass es viele, viele Wege gibt, um andere zu erreichen, zu kommunizieren. Vor allem, wenn man bereit ist, dies öffentlich zu tun." Aus technischer Sicht betrachtet, findet Schmidt jedoch klare Worte: "Als Computer-Wissenschaftler sehe ich diese Dienste als E-Mail des armen Mannes an".

Twitter ist aber dennoch nicht uninteressant für Google, würde Google doch seinen gigantischen Datenbestand deutlich ausbauen und mit Daten über das Echtzeitverhalten von Usern erheblich ergänzen können. Zumindest spricht dafür auch die Summe die in der Gerüchteküche für die Übernahme im Gespräch ist, stolze 250 Mio Dollar. Twitter hat die Gerüchte einer Übernahme bereits in der FAZ durch den Mitbegründer Biz Stone dementieren lassen: „Unser Ziel ist ein starkes, unabhängiges Unternehmen um das Twitter-Konzept herum zu bauen”. Google hat offiziell die Übernahmeabsichten ebenfalls dementiert.

Bleibt abzuwarten, ob sich die Gerüchte bewahrheiten. Nicht ganz unerheblich dürfte auch das Übernahmeangebot von Google sein, was derzeit noch deutlich unter dem gewünschten Twitter Preis liegen dürfte. Insider Informationen zu Folge, soll Twitter ein Angebot von Facebook in Höhe von 500 Millionen Dollar bereits ausgeschlagen haben.

Sandy Schindler - Michael Gandke

Thursday, 16 April 2009 10:18:47 (GMT Daylight Time, UTC+01:00) : #    Comments [6]
# Tuesday, 24 March 2009

Vergiss Aids nicht – Runde 2 der Guerilla Kampagne gegen das Vergessen

Ab 23.03.2009 ist es soweit, der neue Guerilla-Schock-Werbespot "Vergiss Aids nicht" präsentiert sich in düsterer Stimmung. Ein Mann sitzt auf einem Stuhl, man sieht seinen Rücken, seine Schuhe, er blättert in einem Buch, der Zuschauer sieht nur Ausschnitte vom ihm, er bekennt „Ich habe Aids“ … in der Großaufnahme erkennt der Zuschauer plötzlich den prominenten Bekenner.

Es handelt sich um den Coiffeur Udo Walz der hinzufügt: „… nicht vergessen… und Du?“ Ein Sprecher informiert anschließend darüber, dass sich in Deutschland jeden Tag 8 Menschen neu mit HIV infizieren und fordert dazu auf „Schütz Dich, vergiss Aids nicht“. Udo Walz ist einer der 6 Prominenten, die sich in der zweiten Kampagnenserie „Vergiss Aids nicht“ gegen das Vergessen einsetzen. Weitere prominente Bekenner sind 2009: Lucy Diakowska von den No Angels, Explosiv-Moderatorin Janine Steeger, sowie die Schauspieler Manuel Cortez und Roman Knižka. Einige tragen in den beklemmenden TV-Spots Kapuzen und sind ebenfalls erst nach ihrem Bekenntnis „Ich habe Aids“ als Prominente zu erkennen.

Schirmherrin der aktuellen Staffel ist Désirée Nick. Ihr persönliches Statement ist deutlich und unterstreicht den Guerilla Charakter der Kampagne: "Ich habe die Schirmherrschaft übernommen, weil in unserer Gesellschaft alles verdrängt wird was mit Sterben zu tun hat und Aids nach wie vor eine tödliche Krankheit ist die an das Sterben erinnert! Man kann sich aber auch davor schützen und daher lohnt es sich dafür einzutreten!" Wie bereits in der ersten Kampagnenreihe 2008 fragt sich der Zuschauer zunächst, warum bekennen die Prominenten „Ich habe Aids…“? Kritische Stimmen empfinden die Bekenntnisse sogar als makaber und deplatziert. Die Idee hinter der Guerilla Kampagne ist jedoch keinesfalls deplatziert. Die Botschaft wird klar kommuniziert: Gegen das Vergessen, für mehr Bewusstsein im Umgang mit Aids und Solidarität mit Betroffenen.

Mit prominenter Unterstützung kämpft der Regenbogen e.V. seit Jahren gegen das Vergessen von AIDS und klärt darüber auf, dass Aids nicht nur eine Gefahr für Randgruppen darstellt, auch im Familien- oder Freundeskreis kann es jeden treffen. Allein in Deutschland lebten Ende 2008 lebten ca. 63500 mit HIV / Aids. Ziel der Kampagne ist es, alle Gesellschaftsgruppen auf das Thema AIDS aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren. Durch die mediale Reizüberflutung wird jedoch das Thema Aids immer mehr aus den Medien verdrängt. Aus diesem Grund setzt die Kampagne auf Guerilla … und präsentiert sich überraschend, provokativ und medienwirksam … gegen das Vergessen.

Sandy Schindler

Tuesday, 24 March 2009 14:59:52 (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [0]
# Monday, 09 March 2009

Das virale Marketing-Rezept einer “widerspenstigen” Agentur

Der Rezeptüberblick: Man nehme...

  • ein Unternehmen mit einem witzigen Werbspot
  • erstelle ein Parodievideo auf den Werbespot
  • stelle sowohl Originalspot als auch Parodievideo und dessen Making Of auf YouTube zur Verfügung
  • schreibe einen Wettbewerb aus, der User auffordert selbst ein Video als Parodie auf den Werbespot aufzunehmen
  • biete als Preis eine Weltreise oder £ 10.000,--
  • schreibe so viel wie möglich Unternehmen, Blogger, Webmaster, die zur viralen Verbreitung beitragen könnten per Mail an und unterbreite ihnen das Angebot, sich an der Vermarktung des Videos zu beteiligen und dafür Geld in Form einer Provision zu kassieren
  • warte ab, wie schnell die virale Verbreitung in Deutschland möglich ist, wie viele Nutzer tatsächlich bis auf YouTube gelangen und sogar ein selbstgedrehtes Video hochladen
  • rufe anschließend zu einem Voting zur Wahl des besten selbstgedrehten Videos auf

...und fertig ist die virale Marketingidee(?)

Die Zutaten...

Grundlage des Rezeptes bildet eine findige Viral Marketing Agentur namens „Unruly Media“ mit Sitz in London, die ganz offensiv zu Ihren Zukunftsplänen steht, virales Marketing im deutschsprachigen Raum zu etablieren. Als variable Zutat bieten sich verschiedene Unternehmen an. Für dieses Rezept ist z. B. die Kreditkarte Barclaycard eine geeignete Komponente, welche mit einem witzigen Werbevideo dem Ganzen eine individuelle Note verleiht. In der Vergangenheit wurde dieses Gericht von Unruly Media z. B. auch schon mit der Komponente LG Secret Handy angeboten.

Der Serviervorschlag...

Serviert wird das Gericht am besten im Social Network YouTube oder vergleichbaren Plattformen. Über ein Gewinnspiel werden User gezielt zur Teilnahme aufgefordert. Das Rezept kommt am besten zur Geltung, wenn vorab zahlreiche Unternehmen per Mail angeschrieben werden, die bei der Verbreitung des viralen Marketing aktiv mitarbeiten, indem sie auf ihren eigenen Seiten einen Videoplayer zum Barclaycard Contest anbieten und so Besucher auf den YouTube Wettbewerb aufmerksam machen. Einen konkreten Serviervorschlag für das Anschreiben per Mail finden Interessenten hier:

Hallo...,
Ich hoffe du hast nichts dagegen, wenn ich mich dir erstmal vorstelle. Ich komme von Unruly Media, einem Unternehmen in London, dass virales „seeding“ (Verbreitung) von Videos im Internet betreibt. Gegenwärtig leiten wir eine Kampagne für Barclaycard, die wirklich gut auf deiner Seite ... ankommen würde. Es handelt sich dabei um einen nachgestellten Werbespot, der für den Barclaycard’s Wettbewerb wirbt, um zu sehen wer die beste Veralberung ihres Wasserrutschen Werbespots kreieren kann. Immer auf der Suche nach neuen Werbe- und Marketingideen - könnte das genau dein Fall sein. Hier kannst du dir die Veralberung des Videos anschauen und mehr über den Wasserrutschen Wettbewerb erfahren:

http://www.youtube.com/barclaycardcreate

Wir suchen auch nach interessanten Seiten und Blogs um den Clip auf kommerzieller Basis zu verbreiten. Wenn du Interesse hast, dann können wir dir einen Videoplayer zum Einbauen geben und du erhältst Geld für jede Ansicht des Videos aus Deutschland. Du kannst hier das Video abholen und die Geschäftsbedingungen für die Teilnahme an der Kampagne einsehen:...

Das Verfallsdatum

Es wird ein schneller Verzehr empfohlen. Zum genauen Verfallsdatum des Gerichtes gibt es widersprüchliche Angaben. Das Parodievideo enthält am Ende als Angabe den Einsendeschluss: 8. März 2009, Votingstart 9 März 2009 – der nebenstehende Text beinhaltet den Einsendeschluss: 22 März 2009, Votingstart 23. März 2009. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und annimmt, es könnte sich um eine inoffizielle Verlängerung des Haltbarkeitsdatums handeln, weil das Gericht vielleicht nicht genügend reißenden Absatz gefunden hat.

Hinweise für Allergiker

Menschen die auf recht niedrige Provisionen und zahlungsempfänger-unfreundliche (wenngleich leider branchenübliche) AGBs, in denen ein Großteil der Verantwortung auf den Schultern der am viralen Marketing von Unruly Media beteiligten Unternehmen lastet, allergisch reagieren, sollten auf den Genuss dieses Gerichtes verzichten.

Sandy Schindler

Monday, 09 March 2009 13:00:54 (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [1]
# Tuesday, 24 February 2009

Guerilla in 3D?

Virale Profikampagnen sind ja an sich nichts Neues und wöchentlich buhlen neue Eventsites um Aufmerksamkeit, Klicks, Links und Kommentare. Warum also überhaupt drüber schreiben? Weil man sich bei BMW - ungeachtet der nicht wegzudiskutierenden technischen Hürden - für eine etwas andere Ergänzung im Web zum klassischen Marketing entschieden hat.

BMW startet mit einer Marketing Kampagne für den Launch des MINI Cabrio unter dem weltweiten Slogan „Always open“. Klassische Anzeigen in Printmedien und 11 Sekunden langen TV-Spots werden durch eine Guerilla Kampagne ergänzt, die eine "interaktive Printanzeige" und ein virtuelles 3D-Modell miteinander verbindet. Zur Umsetzung der Anzeigen und TV-Spots wurde die Berliner Agentur Plantage herangezogen, die Webspecial erfolgte durch die Hamburger Interone. Idee, Konzept und Umsetzung der Augmented Reality Aktion wurde von Buzzin Monkey aus München initiiert.

Die Idee: Augmented Reality – „erweiterte Realität“

Die Augmented Reality Technologie überlagert Grafiken, Audio – und andere Elemente in Echtzeit Umgebungen und verwirklicht eine ansatzweise reale Darstellung von dreidimensionalen Objekten. Über die Augmented Reality Technologie versucht MINI, die reale Welt digital so originalgetreu wie möglich nachzustellen und so dem Besucher der MINI Seite die Realitätswahrnehmung aus sämtlichen Perspektiven online zu ermöglichen. Das Prinzip das dahinter steht und den User zur 3D Ansicht des MINIs führt, ist allerdings gewöhnungsbedürftig.

Das Prinzip: digitale Printanzeige – Webcam – MINI anschauen

Dem Besucher wird online eine Printanzeige (Achtung: Ein PDF lauert hinter diesem Link) mit Piktogrammen zur Verfügung gestellt. Die Piktogramme zeigen ihm, wie er das 3D Modell des MINIs betrachten kann. Über die MINI Webcam Site kann er anschließend die Anzeige vor seine Webcam halten und mit Hilfe von Augmented Reality Technologie erscheint das MINI Cabrio online. Der User kann das Cabrio anschließend selbständig drehen und sich die Details in Echtzeit – live und 3D - ansehen. Über ein Symbol kann er die Augmented Reality Welt an Freude und Bekannte weiterempfehlen und erhöht somit ganz nebenbei die Reichweite der Kampagne.

3D im Web: Ein unlösbares Problem?

Knackpunkt der Kampagne ist neben der ungewöhnlich hohen erforderlichen Aktivität durch den "Benutzer" vor allem die Tatsache, dass 3D und Web einfach nicht so recht zusammenpassen wollen. "Web 3D" ist nach wie vor auf sehr viele "Wenns und Abers" angewiesen, um hinreichend zu funktionieren. Dabei sind die Anforderungen der MINI-Kampagne noch recht moderat; sperren aber dennoch mehr als nur vereinzelt Besucher komplett aus oder erfordern zumindest den Wechsel des Browsers und die Installation eines 3D-Plugins. Die Funktion eröffnet sich zudem nur Besuchern mit IE 6 & 7 unter Windows. Die Kampagne mit "Systemanforderungen" darf man also von vornherein schon mal an eine eher exklusive Zielgruppe gerichtet betrachten: Neben einem Windows-System, Internet-Explorer, aktuelle, Videotreiber, 2 GHz CPU, 512 MB RAM, Grafikkarte mit mindestens 256 MB Speicher wird auch eine USB-Webcam mit mindestens 640x480 Pixel vorausgesetzt, um in den 3D Genuss des MINIs zu kommen.

Alle Besucher, die nicht über die entsprechende Technik verfügen oder denen der Aufwand schlichtweg zu groß ist, haben wenigstens die Möglichkeit das Making Of zur Guerilla Kampagne zu sehen - das erinnert aber eher ein wenig an den Vorschlag, ein Kochbuch zu lesen, wenn man Hunger hat...

Das Ziel "Aufmerksamkeit in Verbindung mit großer Reichweite" kann also durchaus in Frage gestellt werden, obschon man mit Guerilla sicher nicht auf das falsche Pferd gesetzt hat. MINI setzt bei der Einführung des MINI Cabrios auf unkonventionelle Marketingideen und überraschende Aktionen. Und wenn es für einzelne Besucher im Web vielleicht trotz der erlangten Aufmerksamkeit (magels erfüllter Systemvoraussetzungen) nichts mit "Guerilla im Web" wird, bleibt ja noch die potentielle Überraschung beim Händler. Denn zusätzlich zu der Guerilla Kampagne aus interaktivem Print und 3D-Modell wird das Buch "Viva la Revolution" mit 60 Guerilla Ideen den Marketingmitarbeitern und MINI Händlern flächendeckend zur Verfügung gestellt. Je nach Händler erwarten den Besucher dann also vielleicht individuelle und überraschende Guerilla Aktionen direkt vor Ort.

Sandy Schindler

Tuesday, 24 February 2009 16:31:56 (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [0]
# Tuesday, 20 January 2009

Guerilla Marketing der israelischen Armee

Israels Luftwaffe hat in den letzten Tagen im Zuge der Operation „Gegossenes Blei“ bei Luftangriffen hunderte Hamas-Mitglieder getötet und deren Waffendepots zerstört. Mit Beginn einer Bodenoffensive wurde die Drohung wahr gemacht, auch mit Bodentruppen in den Gaza-Streifen einzumarschiert, um die Hamas endlich in die Knie zu zwingen. Die radikalislamischen Hamas hingegen scheinen kaum geschwächt und setzen bei ihrem erbitterten Widerstand auf militärische Guerilla Taktiken. Kleine, selbstständig operierende Kampfeinheiten mit gut ausgebildete Kämpfer, die zu allem bereit, aus Hinterhalten agieren, Schützengräben und Häuser besetzen, sich unter die Zivilbevölkerung mischen und unerwartet zuschlagen.

Die israelische Armee setzt ebenfalls auf Guerilla, wenn auch nicht in Form von militärischen Angriffen. Für ein sauberes Image in der Weltöffentlichkeit und der Suggestion eines notwendigen und gerechten Krieges, wurde eigens eine PR-Abteilung mit der Umsetzung von Guerilla Marketing beauftragt. Gesteuert werden die Propagandamaßnahmen über das israelische Außenministerium. Ziel ist die systematische Unterwanderung und Manipulation aller möglichen Informationskanäle. Objektive Berichterstattungen durch freie Journalisten sind unerwünscht.

Längst gelten nicht nur die israelisch gefilterten Informationen für die weltweiten Journalisten der Fernseh- und Rundfunkkanäle als geeignetes Propagandamittel. Nach eigenen Angaben der israelischen Armee soll die Intension hinter dem Krieg erläutert werden, die "Jerusalem Post" zitiert die Sprecherin der israelischen Armee Avital Leibovich, mit folgenden Worten: "Die Blogosphäre und die neuen Medien sind ein neues Kriegsgebiet. Wir müssen dort relevant sein." Als modernes Medium erweisen das Internet, insbesondere das Videoportale YouTube, seine Dienste bei der Umsetzung eines einschlägigen Guerilla Marketing.

"Verlagerung" des Konflikts in das Web 2.0

Das Videoportal gilt gemeinhin als Plattform für Ausschnitte aus Film und Fernsehen, Musikvideos, sowie kleine selbstgedrehte Filme. YouTube User können sich außerdem über Blogs austauschen und ihre Meinungen zum entsprechenden Filmmaterial äußern.

Die israelische Armee hat eigens für Guerilla Marketing einen Kanal bei YouTube eingerichtet, die alle interessierten Onlinebesucher direkt am Geschehen im Gaza-Streifen teilhaben lässt. Mit YouTube selbst gab es zu Beginn Probleme, weil einige veröffentlichte Videos nicht den Gewaltrichtlinien des Videoportals entsprachen. Die Differenzen waren offensichtlich nur von kurzer Dauer, denn aktuell sind vier Dutzend Videos online frei verfügbar. Auf den Videos zu sehen sind Luftangriffe, Panzer, Raketen aber auch die perfekte Darstellung der humanitären Hilfe, die Israel in den Gaza-Streifen entsendet. Die Videos werden zum Großteil positiv bewertet und scheinen beim Publikum wie gewünscht anzukommen. Fragt sich nur, ob hier nicht ebenso gut gezielte Manipulation des Social Media - Images am Werk ist, um den Videos den notwenigen Anschub zu verleihen. Schützenhilfe kommt z. B. von der Anti-Defamation League (ADL), einer US-amerikanischen Organisation, die gegen die Diskriminierung von Juden eintritt und bei YouTube nun dafür plädiert, "pro-palästinensisches Videomaterial" zu zensieren.

Der YouTube Kanal ist aber nur ein Beispiel für die umfassenden Guerilla Marketing Maßnahmen. Befürworter der israelischen Kriegshandlungen unterstützen das israelische Außenministerium bei der Unterwanderung und Manipulation von Blogs und Online-Umfragen. So steht z. B. GIYUS, ein Tool welches Nutzer auf Online-Umfragen im Netz aufmerksam machen soll, unter schweren Anschuldigungen, Umfragen zugunsten Israels zu manipulieren. Gegner dieser Onlinebewegungen haben bereits Listen im Internet veröffentlicht, die die Israel-Sympathisanten als Spammer entlarven, die in diversen Blogs Kommentare abgegeben haben, welche an vielen anderen Stellen im Netz identisch wiederzufinden sind.

Sandy Schindler


Tuesday, 20 January 2009 11:12:57 (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [0]
# Friday, 21 November 2008

Werbung bei YouTube: Bezahlte Platzierung von Videos

Anschubhilfe für "als viral gedachte Videos", die nicht so funktionieren, wie gewünscht...

Das war ja zu erwarten: Bei YouTube kann - zunächst nur für US-Benutzer, aber sicher bald auch bei uns - auf extrem vereinfachte AdWords-Manier für eigene Videoinhalte geworben werden. Speziell angesichts der steigenden Zahl von Videos, die zwar als potentieller Kundenmagnet produziert, aber nicht über genug virale Energie zur Verbreitung aus eigener Kraft haben, sollte diese Option sehr interessant sein und rege genutzt werden.

Wer bisher Videos mit eher trockenen Themen aus dem eigenen Fachbereich produziert hat, um über geschickte Gestaltung der Metadaten wenigstens den einen oder anderen Treffer - und damit potentiellen Interessenten - im LongTail zu erzeugen, musste bisher mit eher bescheidenen Erfolgen trotz aller Video-SEO zufrieden sein. Nun kann aber auch zu eher allgemeinen Keywords, bei denen inzwischen auch in Video-Trefferlisten schon zu viele Einträge zu finden sind, als dass man sich des Klicks sicher sein könnte, über "YouTube Sponsored Videos" eine prominente Platzierung erkauft werden. Das gilt zwar "nur" für YouTube und nicht alle Videoportale, aber schließlich findet dort auch ein großer Anteil der Suchanfragen statt. Sich bei allen anderen Portalen auf SEO zu verlassen und zumindest ein kleines Budget für die Platzierung bei YouTube auszugeben, erscheint angesichts der Kosten für selbst ein vergleichweise laienhaft produziertes Video durchaus angemessen.

Das System dazu ist ähnlich wie Werbung bei AdWords gestaltet - nur (noch) deutlich einfacher. Es muss zur Bewerbung eines Videos lediglich ein Anzeigentext und eine Keyword / Keyphrasenliste definiert werden, die bei Anfragen zur Schaltung der Anzeige führen sollen.

YouTube-Werbung

Dazu wird ein maximaler Klickpreis definiert, den man zu zahlen bereit ist; ebenso existiert ein Tagesbudget, um die Ausgaben klar zu deckeln. Später wird noch ein Targeting nach Region und Sprache hinzukommen… Fertig ist die bezahlte Platzierung bei YouTube - ein YouTube-Nutzerkonto und Verfügbarkeit des Programms in Deutschland vorausgesetzt.

YouTube-Werbung: Budget

Gerade kurz nach der Einführung wird es sicher eine turbulente Phase geben, in der sich zeigen wird, ob auch hier kurz oder lang ähnliche Qualitätsfaktoren wie im AdWords-System für die Regulierung von Preis und Position sorgen müssen, wenn das Werbevolumen steigt. Nicht relevante Anzeigen für das falsche Video in Bezug auf ein gewähltes Keyword zu schalten, nur weil dieser Begriff populär bei YouTube ist, ist aber ganz sicher unabhängig von Wettbewerbsdichte und den sich herauskristallisierenden Klickpreisen unsinnig. Für Videowerbung heißt es daher in vielen Branchen erst einmal: Produzieren! Denn für einen Großteil der in der Suche und im Content-Netzwerk bei Google (sprich: in AdWords) populären Begriffe existiert heute kaum passendes Videomaterial. Und wenn dieses auch noch geeignet sein soll, potentielle Kunden zu generieren, kann auch sicher noch lange nicht jede derzeit existierende Aneinanderreihung bewegter Bilder sinnvoll eingesetzt werden. Belohnt wird man von Google / YouTube aber ganz sicher in Zukunft durch weitaus bessere Zielgenauigkeit für Werbung. Denn im Gegensatz zu den in der Masse noch eher unbekannten Benutzern der Suchmaschine weiß man bei YouTube über mehr als ein Drittel der Benutzer bestens bescheid (derzeit über 37% registrierte Benutzer). Und schon ist ein Targeting nach demografischen Daten – bzw. wirklich allem, was über ein Nutzerprofil (in Zukunft) herauszufinden ist – nur noch ein paar Klicks entfernt. Klingt zu gut um wahr zu sein? Warten wir ab, wie sich das Programm entwickelt.

So oder so gibt es bis zur Einführung des Programms in Europa ja noch einiges zu tun. Machen Wenn Sie bereits potentielle Videos für eine solche Bewerbung haben, sollten Sie das Material schon jetzt möglichst werbewirksam „pimpen“. Und wer den ersten Schritt noch vor sich hat und sich für diese kommende Gelegenheit zur Platzierung von Werbung interessiert, für den heißt es nun "Kamera, Licht, Ton.... und: Action!"

MB

Friday, 21 November 2008 16:34:49 (GMT Standard Time, UTC+00:00) : #    Comments [3]

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