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Guerilla-Marketing
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14.05.2008

Guerilla Strategien werden längst nicht nur für provokative Werbezwecken in Unternehmen genutzt. Ein Paradebeispiel für ausgefeilte Guerilla Aktionen auf einer ganz anderen Ebene, bietet die Umweltorganisation Greenpeace „Grüner Friede“. Die Organisation nutzt in 40 Ländern geradezu meisterhaft die Guerilla Technik, um die Öffentlichkeit auf Umweltprobleme aufmerksam zu machen. Wie aber macht man Marketing für die Umwelt? Für saubere Energie, kontrollierte Gentechnik, Klima-, Meeres- und Tierschutz? Man etabliert eine Marke. Mit Hilfe von Guerilla Marketing etablierte Greenpeace seine Marke weltweit im Umweltschutz. Die Guerilla Aktionen sind einerseits darauf ausgerichtet, Umweltverschmutzung zu verhindern, andererseits das Bewusstsein der Öffentlichkeit auf provokante und unkonventionelle Art zu wecken.

Bereits 1971 startete die erste Guerilla Aktion, die von einer Handvoll Umweltschützern, die sich Greenpeace nannten, ausgeführt wurde. Ziel der Aktion war ein Atomtestgebiet der Amerikaner in Alaska, der durch die Anwesenheit der Umweltschützer verhindert werden konnte. Die gefährliche und provokante Guerilla Aktion war nicht nur erfolgreich, sondern verbreitete sich über Medienbericht auch wie ein Lauffeuer über die ganze Welt und machte die Umweltschützer weltberühmt. Aus dieser Gruppe Umweltschützer entwickelte sich eine internationale Organisation, die ausschließlich über private Spenden finanziert wird und somit unabhängig arbeiten kann. Wie genau das funktioniert hat und wie Greenpeace begonnen hat, erfahren Sie unterhaltsam per Audiobook.

Seit dieser Zeit nutzt Greenpeace konsequent Guerilla Aktionen mit exemplarischen und symbolischen Charakter. Greenpeace arbeitet mit Aufsehen erregenden Aktionen, aber auch mit Aufklärung und Boykottaufrufen. Folgende Taktiken nutzt Greenpeace für ausgefeilte Guerilla Marketing Strategien.

Beispiele für Guerilla Taktik mit aufsehen erregende Aktionen

  • Greenpeace nutzt Schlauchboote für Guerilla Aktionen gegen den Walfang. Mit wagehalsigen Aktionen hindern sie zum Beispiel japanische Schiffe am Walfang oder dokumentieren vor Ort das Geschehen, um es an die Öffentlichkeit zu bringen.
    Greenpeace Aktivisten ketten sich an Bahnschienen, um den Transport von abgebrannten Brennelementen eines Atomkraftwerkes zu verhindern.
  • Greenpeace protestiert gegen US-Präsident George W. Bush US-Atomwaffenpolitik. Bei seinem Deutschlandbesuch fuhren zwei Schlauchboote auf dem Rhein in Mainz auf Sichtnähe heran und entrollten ein Banner: “No nuclear weapons in the USA and elsewhere – No more wars, Mr. Bush! – Greenpeace.
  • Greenpeace macht Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Debatte um die blockierte russische Ölpipeline darauf aufmerksam, dass die Atomkraft das Öl nicht ersetzen kann und für die Zukunft mehr erneuerbare Energien erforderlich sind.
  • Greenpeace projiziert dafür einen Spruch auf die Reaktorkuppel des Atomkraftwerkes Brokdorf: „Öl = Auto, Atomkraft = Strom, Frau Merkel“

Beispiele für Guerilla Taktik durch Aufklärungsaktionen

  • Greenpeace organisierte eine Unterschriftensammlung gegen Gen-Food. Allein in Deutschland kamen 400.000 Unterschriften zusammen, die dem Ministerium von Bundesverbraucherminister Horst Seehofer überreicht wurden. Hintergrund der Unterschriftensammlung war die fehlende Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Produkte wie Milch, Eier und Fleisch.
  • Greenpeace gibt jedes Jahr zahlreiche Studien und Broschüren mit Hintergrundinformationen zu Greenpeace-Themen heraus. Allein in den ersten Monaten 2008 wurden zahlreiche Beiträge publiziert wie “Greenpeace-Test von Früh-Erdbeeren 2008: Pestizidwerte sinken“, „22 Jahre Tschernobyl“, „Urwaldrepublik Deutschland“ und „Appell an Horst Seehofer gegen MON810“.
  • Greenpeace weltweit bieten diverse Vorträge, um auf die Umweltproblematiken aufmerksam zu machen. Beispiele für Vortragsthemen sind: „Die Welt zu Zeugen machen -Methoden der Umweltarbeit von Greenpeace“, „Wale – Symbole des Lebens“, „Urwaldschutz ist Klimaschutz“ und „Gentechnik in Lebensmitteln“.

Beispiele für Guerilla Taktik durch Boykottaufrufe

  • Greenpeace ruft im Mai 1993 zum Boykott norwegischer Produkte auf. Denn trotz eines geltenden Fangverbots beabsichtigte Norwegen weiterhin Wale zuharpunieren. Der Erfolg des Boykott- Aufrufs spricht für sich. Firmen stornieren Aufträge in Höhe von 90 Millionen Mark. Diese Summe entspricht einem Vielfachen der eigentlichen Walfangeinnahmen.
  • Greenpeace ruft 1995 in einer spektakulären Guerilla Aktion zum Boykott gegen den Weltkonzern Shell auf. Die Organisation wollte verhindern, dass eine mit giftigem Ölschlamm belastete Ölplattform von Shell in der Nordsee versenkt wird. Die Shell AG hatte in Deutschland 1995 gerade mit aufwendigen und teueren Werbeanzeigen ein verantwortungsbewusstes Image aufgebaut, als Greenpeace zum Shell Boykott aufrief. Medienwirksam unterstützt wurde der Boykott Aufruf durch die spektakuläre Besetzung der Ölplattform durch Greenpeace Aktivisten. Beeindruckendes Ergebnis der Guerilla Kampagne: Autofahrer, Verbände und Politiker folgten dem Boykottaufruf, die Umsätze gingen um 25-30 Prozent zurück, Shell gibt klein bei und verzichtet auf die Versenkung der Ölplattform.

Die Liste der Greenpeace Guerilla Aktionen könnte nahezu endlos weitergeführt werden. Die Guerilla Taktiken von Greenpeace verfehlen ihr Ziel nicht: sie sorgen für großes Aufsehen und wecken das Bewusstsein der Bevölkerung im Kampf gegen Umweltsünden.

Sandy Lietz



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