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29.05.2006

Es scheint so, als würden wir zur WM in diesem Jahr auf unsere nackten Flitzer verzichten müssen. Obwohl! Rechnet man die Einschaltquoten, Zuschauerzahlen bei einem WM-Finale hoch, so müsste ein professioneller Flitzer mit z.B. „Nokia“ Logo auf der Brust durchaus einen netten Gegennutzen kreieren. Also 100.000 Euro = TV-Aufmerksamkeit beim WM-Finale.

Was ist eure Meinung?

via Süddeutsche Zeitung


Das WM-Finale: nicht nur für Fußballer das Ziel aller Träume. Auch für Flitzer ist das Spiel in Berlin der buchstäbliche Höhepunkt. Doch die Organisatoren drohen den nackten Sprintern mit horrenden Geldstrafen.
 
Mark Roberts hat einen großen Traum: Beim Endspiel der Fußball-WM nackt über den Rasen rennen. „Wie für jeden Spieler wäre auch für mich das Finale das Größte“, sagt der 41-jährige Brite, der weltweit als „König der Flitzer“ bekannt ist und unter anderem schon die Olympischen Spiele im Adamskostüm heimsuchte.


Doch zumindest bei der Weltmeisterschaft in Deutschland wird es mit dem Traum nichts werden: Wegen seines außergewöhnlichen Hobbys muss der Malermeister vor jedem großen Fußballspiel oder Turnier seinen Reisepass abgeben und darf Großbritannien nicht verlassen. So kann Roberts diesmal nur am Bildschirm verfolgen, wer Weltmeister wird – und ob er nackte Nachahmer findet: „Einer wird es wagen, da bin ich mir ganz sicher.“


Das erste Mal flitzte Roberts 1993 im Urlaub in Hongkong. Vorbild war eine Frau, die nackt über den Stadionrasen rannte. Der Liverpooler schloss am Abend an der Bar eine Wette ab – und am nächsten Tag flitzte er selbst. „Es ist ein wahnsinniges Gefühl, wenn alle Augen auf dich gerichtet sind“, berichtet er träumerisch.


„Einige Spieler haben sogar geklatscht“
Nach diesem Gefühl sei er geradezu süchtig. Inzwischen hat Roberts rund 400 „Streaks“ auf seinem Konto, von der Miss-World-Wahl bis zum Tennisturnier. Einer der legendärsten Auftritte war beim UEFA-Cup-Finale 2003 in Sevilla: Als Schiedsrichter verkleidet schummelte sich der Malermeister in den Innenraum des Stadions, warf blitzschnell die Klamotten ab und flitzte los, quer über das Fußballfeld. „Einige Spieler haben sogar geklatscht“, erinnert sich der 41-Jährige.


Doch kurz danach wurde es der Justiz zu viel. Roberts wurde ebenso wie rund 3000 britische Hooligans dazu verurteilt, fünf Jahre lang zu jedem wichtigen Fußballspiel der englischen Mannschaft den Pass abzugeben. „Dabei bin ich kein Hooligan und kein Krimineller“, klagt Roberts. Vielmehr sieht er sich als Entertainer. „Wer schafft es schon wie ich, 70.000 Menschen auf einen Schlag zum Lachen zu bringen?“


Und die jeweiligen Auftritte bedürften immer auch einer gründlichen Vorbereitung, erklärt der Vater dreier Kinder. „Man muss zuerst den richtigen Ort und die richtige Zeit auswählen. Und dann kommt es darauf an, genau die richtige Sekunde zu nutzen.“ Dies gelang Roberts zuletzt eindrucksvoll bei den Olympischen Winterspielen in Turin. Beim Curling tauchte er beim „kleinen Finale“ zwischen Großbritannien und den USA auf einmal auf der Eisbahn auf – völlig nackt und nur mit einem an strategisch wichtiger Stelle platzierten Gummihahn um die Hüften.

Derartige Auftritte bei der Fußball-WM in Deutschland will das Organisationskomitee (OK) auf jeden Fall verhindern: Es bezeichnet die Flitzer als Sicherheitsrisiko. Roberts findet diese Argumentation absurd.
„Wir tun niemanden etwas. Dass wir draußen gehalten werden sollen, hat nur einen Grund: Wenn wir erfolgreich sind, ist es immer auch ein Zeichen, dass die Sicherheitsvorkehrungen mangelhaft waren. Und das wollen die Veranstalter natürlich nicht.“ Hundertprozentige Absicherung gebe es sowieso nicht. „Wenn jemand unbedingt flitzen will, dann schafft er es auch.“


Mindestens 100.000 Euro Schadenersatzforderungen
Wirkungsvoller als alle Sicherheitsmaßnahmen dürfte Roberts zufolge sowieso etwas ganz anderes sein: die angedrohten hohen Geldstrafen. OK-Sicherheitschef Helmut Spahn hat prophylaktisch schon einmal verkündet, welche Schadenersatzforderungen auf einen Flitzer zukommen könnten: „Hochgerechnet sind wir auf eine sechsstellige Summe gekommen“ – also mindestens 100.000 Euro.


„Das wird natürlich viele abschrecken“, glaubt Roberts, der ungeachtet aller Strafdrohungen und seiner derzeitigen Justizauflagen seinen Traum vom WM-Finale nicht aufgeben will. Zwar werde es notgedrungen leider nicht am 9. Juli in Berlin klappen, aber er habe ja Zeit. „Die Gerichtsauflagen für mich gelten nur noch zwei Jahre. Wenn dann 2010 die WM in Südafrika ist, kann ich mich also wieder frei bewegen…“

Gruß
Thorsten Schulte